Definieren Sie den Begriff  “ermordet“


.(SPIEGEL 31/2014, Leitartikel)

Der Verfasser dieses SPIEGEL-Leitartikels bleibt zwar ungenannt, allerdings darf man annehmen, dass der nicht von einem x-beliebigen Redaktionspraktikanten stammt, sondern mindestens von einem Redakteur. Einem Leitartikel-Verfasser in einem der bedeutendsten deutschsprachigen Nachrichtenmagazine sollte freilich der landläufige Unterschied zwischen einem »Mord«, d.i. einem vorsätzlichen Verbrechen, und einem vermutlichen »tragischen Versehen« geläufig sein. Sollte man meinen.
Ob hinter der Verwendung des bedeutungsfalschen Terminus »Mord« beabsichtigte Polemik oder bloß Fahrlässigkeit steckt, lässt sich für den Leser schwer erraten.

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In derselben Ausgabe übrigens, in einem Artikel über antisemitische Demonstrationen in Deutschland, steht der Satz:
(SPIEGEL 31/2014)
.
»In Österreich werden israelische Fußballmannschaften attackiert«, erfährt der Leser also aus dem SPIEGEL. (Tatsächlich war es eine israelische Fußballmannschaft, die von einer Gruppe radikalisierter Türken attackiert wurde. Dass die Attacke zufällig in Österreich stattfand, spielte dabei keine Rolle.)
Gewiss wurde dieser saudumme Satz in dem SPIEGEL-Text nicht aus böswilligem Kal­kül, sondern lediglich aus purer Gedankenlosigkeit so formuliert. Gleichwohl ärgerlich ist beides.

Linguistisches

Aus der »Liste der österreichischen Wörter, für die es im Schriftdeutschen kein gleichbedeutendes Synonym gibt«:
.allerweil, sprich: ollaweu, (Interjektion) = Ach, wenn doch bloß *)
Etymologisches
*) Nota bene: im Bedeutungsunterschied zu dem gleichlautenden allerweil, (Adverb) = immer, ständig, dauernd.

Kollegin Etosha verweist in einem schönen Artikel auf den Conjunctivus Austriacus, unter Linguistikern auch als Ostmittelbairische Vermöglichungsformung bekannt.

Eine im Wienerischen endemische Varietät des genannten Conjunctivus Austriacus stellt der Optativus Viennensis dar, nachfolgend ein Exempel unter zweifacher Ver­wen­dung von “allerweil“ (als Interj. sowie als Adv.) wie auch in zweierlei Bedeutung:
    “Ollaweu ’s warad ollaweu sche.“
[“Ach, wenns doch bloß immer schön wäre.“]

Meine lieben Wiener Schwiegereltern* waren einmal im Theater, in der zweiten Pause fragte Schwiegermama, obs ihm eh noch gefalle? – Ja eh, gab Schwiegerpapa zu, aber:
    “Ollaweu de faungadn ins featigwean aramoi au.“
    [“Allerweil die täten auch mal mit dem Fertigwerden anfangen.“]
Schwiegermama draufhin zu Schwiegerpapa:
    “Ollaweu du sogast ned ollaweu ‘ollaweu‘.“
    [“Allerweil du sagtest nicht allerweil ‘allerweil‘.“]

Etymologisches

Aus der »Liste der österreichischen Wörter, für die es im Schriftdeutschen kein gleichbedeutendes Synonym gibt«:
.vawoadagln, (Verb) = verwirrstalten
vawoadagld, (Adj.) = verwirrstaltet
Bedeutung:
  • verwordageln (Verb, transitiv):  etwas aus der Fasson bringen, verwursteln.
  • verwordagelt (Adj.):  aus der gehörigen Form geraten bzw. gebracht, Konstella­tion unvorteilhaft durcheinandergeraten.
    U.a. kommen auch Texthervorbringungen (schriftlich o. mündlich*) aufgrund un­stimmigen Wortgefüges bzw. Satzkonstruktion verwordagelt daher.
Die Etymologie ist unklar. Peter Wehle (»Sprechen Sie Wienerisch?«) – dem freilich nicht immer zu glauben ist, da er dem Leser nicht selten haltlose Spekulationen oder frei erfundenen Unsinn für bare Münze verkauft (und deswegen auch oft genug wider­legt wurde) – postuliert eine Herleitung »von bairisch ‘verwoachtagen’ = “verweich­teigen“, ‘verwoachtagert’ = “verweichteigig“: der Teig ist zu weich geraten, und das Gebäck missglückt;  oder, durch den 30jährigen Krieg zu uns gebracht, von schwedisch ‘för varje dåg’ = “alltäglich, minderwertig“.« Recht plausibel erscheint das aber nicht.
________________________
(angeregt durch Kollegen Shhhh).

Symbolbild (XII)

Eine Meldung ohne Pics ist nix, wie jeder weiß, insbesondere wenn es sich um eine reich­lich abgenudelte (Achtung, Kalauer) Wiedergänger-Meldung wie die vom abge­schnittenen Penis handelt. Weil sich vielleicht nicht jeder Leser unter einem Penis was konkretes vorstellen kann, wirkt der Symbolbild-Beauftragte seines Amtes und hilft dem Vorstellungsvermögen mit einer erhellenden Illustration auf die Sprünge:

Symb0lbild (klick für Detail)

von links nach rechts:.
  • Symbolbild »Aus Eifersucht den Penis abgeschnitten«
  • Symbolbild »Wegen Untreue Penis abgeschnitten«
  • Symbolbild »Penis mit Küchenmesser abgeschnitten«
  • (Ohne Worte)
  • Symbolbild »Ein abgeschnittener Penis kann oft wieder angenäht werden.«
Wem die oben dargestellten Symbolbild-Dummheiten noch nicht zu dumm sind –

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allemal noch immer.«
.(Martin Krassnig)
– der möge hier weiterklicken:


von links nach rechts:.
  • Symbolbild »Auffälligkeiten am Penis«
  • Symbolbild »2 Penisse«
  • Symbolbild »Beschneidung des Mannes«
  • (Ohne Worte)
  • Symbolbild »Penis-Tests bei homosexuellen Asylwerbern«

Aufgelesenes (LXXII)


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