10. September

Heute vor zehn Jahren war es, am 10. September 2006, als Papst Benedikt XVI. beim Frei­luft­gottesdienst auf dem Gelände der Neuen Messe München vor 250.000 Zuhörern die denk­wür­dige Diagnose erstellte:
    »Es herrscht zu viel Vernunft in der Welt.«
Und die Menschheit dazu aufrief, sich in ihrem Handeln weniger von Vernunft, dafür stärker von religiösen Werten leiten zu lassen.

Wie sich erweist, haben sich offenbar viele Leute in der weiten Welt seinen Aufruf zu Herzen genommen und ihre Vernunft an die Garderobe gehängt, um ihm artig Folge zu leisten. Das wird den frommen Mann bestimmt sehr freuen.
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»Die religiöse Manie gilt als die vorherrschende Form von Geisteskrankheit.«
bemerkte Henry Coswell, im Jahr 1839. Daran hat sich seither nix geändert.
pathologe - Do, 12:38

Nun, an Henry Coswells Aussage hat sich vom Sinn her nichts geändert. Was mir mehr Sorgen macht, sind die steigenden Zahlen der Unvernünftigen.

Olaf (Gast) - Do, 13:37

"Auch die Religion kann ihr Versprechen (des Glücks) nicht halten. Wenn der Gläubige sich endlich genötigt findet, von "Gottes unerforschlichem Ratschluss" zu reden, so gesteht er damit ein, dass ihm als letzte Trostmöglichkeit und Lustquelle im Leiden nur die bedingungslose Unterwerfung geblieben ist. Und wenn er zu dieser bereit ist, hätte er sich den Umweg wahrscheinlich sparen können."

Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur

Was mich sprachlos erstaunt ist die Tatsache, dass ein Papst so etwas im dritten Jahrtausend sagen kann, ohne einem geballten Widerspruch intellektueller Kreise ausgesetzt zu sein. Sollte sich all die Arbeit von Voltair, Diderot, le Rond d’Alembert, Hume und vielen anderen nach nur ein paar hundert Jahren als umsonst erweisen? Und wenn ja, was ist dann die Konsequenz? Doch nur ein hoch technologisiertes Mittelalter. Dass das vielleicht schon längst begonnen hat, zeigt ein Blick in die Welt.

Noch leben wir auf einer Insel der Glückseligen; aber wie es ausschaut, nicht mehr lange.

"Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als daß sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen."

Jean-Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag IV, Über die staatsbürgerliche Religion

Onkel Ernstl - Do, 14:13

Leider hat der Papa Emeritus damals vergessen ausdrücklich dazuzusagen, daß der Aufruf nur für die Christenheit gelten soll aber nicht für alle Anderen "Ungläubigen" "religiösen Wertebewahrer" und "Heiligen Kriegsführer" auf der Welt. Daß der das zwar im dritten Jahrtausend gesagt hat, aber keineswegs im dritten Jahrtausend geistig daheim war, steht wieder auf einem anderen Blatt...
gnaddrig (Gast) - So, 22:18

Ja, Onkel Ernstl, da sieht man, wieviel Unheil man durch ungenaue Formulierungen anrichten kann. Das kann auch jeder bestätigen, der je einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat und dann genau das kriegte, was er sich gewünscht hatte...
nömix - Mo, 00:07

»Roma locuta, ratio finita.«
gnaddrig (Gast) - Mo, 10:20

Vor dem Hintergrund klingt der Spruch Alle Wege führen nach Rom durchaus beunruhigend...

Der Amtsweg ist das Ziel.

Parteienverkehr

Und zum Trinken...
gnaddrig - Mi, 10:14
Das Krümelmonster?...
iGing - Di, 17:19
... wird traditionell...
iGing - Di, 17:14
Eigentlich wäre...
Lo - Di, 13:37
Fürchtebrot.
Lo - Di, 13:33

Amtsverkehr


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