Aufgelesenes (CXI)

idowa
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21. März

Der stärkste Mann der Welt
    Heute vor 138 Jahren wurde Pepi Steinbach (1879-1937) ge­bo­ren, der stärkste Mann der Welt.
    Steinbach stellte im Laufe seiner Karriere als Gewicht­heber nicht weniger als 35 Weltrekorde auf – eine Zahl, die für sich wiederum einen Weltrekord darstellt. Seine internationale Po­pu­larität, wie auch die seiner Athleten­kollegen – mit denen er etwa 1906 bei den Olympischen Spielen in Athen u.a. auch in der Disziplin Mannschafts-Tauziehen (sic) antrat – brachte seiner Heimatstadt Wien seinerzeit den Ruf der »Stadt der starken Männer« ein. Beim Olympia-Finale im Ge­wicht­he­ben gegen seinen grie­chi­schen Konkurrenten wurde der Wiener Favorit aller­dings vom Publikum mit Steinen beworfen und musste seinen Rekordversuch abbrechen. Während der Grie­che als Olympiasieger gefeiert wurde, brachte Steinbach des­sen Rekordgewicht abseits des Podiums sechsmal (!) spie­lend zur Hoch­strecke. Daneben errang Steinbach auch als Ringer be­acht­li­che Erfolge. Nach Beendigung seiner Sport­ler­karriere betrieb »der starke Pepi« eine beliebte Likör­stube in Wien Erd­berg. Sein Sohn Poldi Steinbach wurde später Eu­ro­pa­mei­ster im Boxen.
    Josef Steinbach erhielt ein Ehrengrab auf dem Wiener Zen­tralf­riedhof.

19. März – Tag des Geflügels

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Die Stimmung steigt im Hühnerschlag,
denn heut’ ist Weltgeflügeltag
ein Tag, der ganz gewiss gefällt
dem Federvieh auf dieser Welt.
Drum lasst uns das Geflügel feiern
ohne lang herumzueiern:
wer heut’ entsprechend feiern will,
brät einen Broiler auf dem Grill.
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Allerlei Mischkulantes zum Tag des Geflügels:

Der geschlechtlichen Gleichstellung im Sprachgebrauch geschuldet, lässt man Gendering neu­er­dings auch dem Geflügel angedeihen, wie Kollegin Cappuccina entdeckte.

Über der Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei? mögen sich die Oologen die Eier­köpfe zerbrechen – die von Kollege Trithemius hieramts gestellte Gegenfrage, was wohl zu­letzt da sein wird, scheint indes geklärt: gewiss wird das Ei das Huhn überleben. Tau­send­jäh­rige Eier gibts bekanntlich, aber wer hätte schon jemals von einem tausendjährigen Huhn gehört?

Paul Simon erzählte, seinen Songtitel »Mother and Child Reunion« einst auf der Speisekarte eines Cajun-Restaurants in den Südstaaten gelesen zu haben, als Bezeichnung für eine kreoli­sche Mahlzeit: Huhn mit Ei.

Henry Ford war es seinerzeit, der Marketing mit Geflügel verglich: »Enten legen ihre Eier in aller Stille, Hühner gackern darüber wie verrückt. Was ist die Folge? Alle essen Hühnereier.«

Kennen Sie das TOBIS-Intro aus dem Kino? Was immer das sein mag, was das Feder­vieh unten rausfallen lässt, nachdem es gekräht hat – ein Ei kanns ja wohl keins sein:


Zum aktuellen Anlass nicht fehlen darf wie immer das obligate Symbol­bild, Abb. links: »Mit einem Messer trennt eine Frau in Bangladesch ihren Ver­ge­wal­ti­ger von dessen bestem Stück: einem weißen Huhn.«
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Wikipedia schießt einen Bock & FOCUS Online »klärt auf«

Wenn die Clickbaiting-Marktschreier von FOCUS Online (»Deutschlands modernes Nach­rich­ten­­ma­gazin für Fakten- und Qualitätsjournalismus«, laut Eigendarstellung) notorisch ir­gend­welche Binsenweisheiten aus Wikipedia abschreiben und ohne Quellenangabe ihrem Leser-Klick­vieh an­die­nen, tun sie das freilich nicht un­ter der Devise »FOCUS Online schreibt ir­gend­was ir­gend­wo ab«, son­dern unter »FOCUS Online klärt auf«. Kennt man ja. Zum Bei­spiel:
FOCUS Online klärt also auf schreibt also aus Wikipedia ab, woher die Redewendung an­geb­lich kommen soll:
    »Vermutlich geht die Redensart auf eine Sitte aus dem späten Mittelalter zurück: Bei Sportwettkämpfen, wie dem Augsburger Schießfest, wurde dem Ver­lie­rer als Trost­preis ein Schwein geschenkt. Wer das Schwein bekam, erhielt etwas, ohne es eigent­lich verdient zu haben.«
Wo immer der Wikipedia-Autor diesen offenkundigen Unsinn aufgeschnappt haben mag, gibt er nicht preis *) – jedenfalls findet sich für das angebliche Augsburger Trost­preis­schwein nir­gend­wo ein historischer Beleg. Im Gegenteil führt er ebendiese Her­lei­tungs­theorie selber ad ab­sur­dum, indem er aus Sebastian Brants 1494 veröffentlichtem Narrenschiff als ver­meint­li­che Be­leg­stelle anführt:
    »Wer schießen will und fält des rein Der dreit die suw im ermel heim«
Wie sollte sich denn eine beim Schießfest gewonnene Sau »im Ärmel« heimtragen lassen? Die Erklärung ist, dass der Verlierer eben kein Schwein als Preis heimtrug, sondern vielmehr mit lee­ren Händen heimging. Tat­sächlich hat die zitierte Redensart von der »Sau« im Ärmel ge­nau die gegensätzliche Be­deu­tung, wie u.a ebenfalls in Brants Narrenschiff an an­de­rer Stelle nach­zu­lesen ist, sowie bei Wander, Dt. Sprichwörter-Lexikon:
    Die Sau schreit im Aermel. – Brant, Nsch., 75.
    Er wird Schimpf und Schaden davon haben. Von denen, die nach etwas streben, das zu erreichen sie nicht fähig sind. »Das einer denn ist so ein geck vnd weiss, das er nichts gwinnet gar vnd dennoch dahin ziehen dar [..] Die suw wirt jm in ermel schreien
    .
    Eine Sau davon tragen/gewinnen. – Murner, Vom luth. Narren; Lehmann, 697, 3.
    Eine arge Niederlage erleiden, eine Schlappe erhalten, Schaden davontragen. »Wir sol­tens haben bass besunnen, wir han ein grobe suw gewunnen.« – »Ir habt nit vil der eer erjagen, als ir die suw habt dannen tragen
»Eine Sau gewinnen, die Sau davontragen« bedeutete somit zur damaligen Zeit das exakte Ge­gen­teil zu »Schwein haben«. Nachweislich war es im späten Mittelalter bei Schieß­festen indessen Sitte, dass der schlechteste Schütze mitnichten ein (wertvolles) Schwein, son­dern zum Spott einen (nutzlosen) Ziegenbock als Preis erhielt, und daher kommt die Re­de­wen­dung »Einen Bock schießen« = danebenhauen, das Ziel ver­feh­len, das Nachsehen haben. In der Wikipedia/»FOCUS Online schreibt ab«-Herleitungstheorie vom (Augsburger) Schieß­fest wer­den also Bock und Schwein aus zwei völlig unterschiedlichen Redewendungen mit­ein­an­der ver­tauscht.
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*) DUDEN Herkunftswörterbuch et al. spekulieren zwar ebenfalls (indem augen­schein­lich ei­ner vom andern unreflektiert abschreibt):
    »Die Wendung ‘Schwein haben’ „Glück haben“ (im 19. Jhdt. studentensprachlich) geht wohl auf den alten Schützenbrauch zurück, dem schlechtesten Schützen eine Sau als Trostpreis zu geben.«
Wesentlich naheliegender hingegen stammt die Redewendung »Schwein gehabt« vom Kar­ten­spiel her: seit dem Mittelalter wurde das Ass »Sau« (Eichelsau, Schellensau etc.) ge­nannt, und wer die höchste Karte, also die Sau hatte, hatte Glück und gewann das Spiel. Daher der Stu­den­tenausdruck »Sau oder Schwein haben«. [nach: Meyers Gr. Konversations-Lexikon; et al.]
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(Update: der monierte Wikipedia-Eintrag wurde mittlerweile ge­än­dert, offensichtlich hat Kol­le­ge Kuli hieramts mitgelesen ;)

14. März

Heute vor 30 Jahren, am 14. März 1987 um 1:59 pm Ortszeit, wurde am Ex­plo­ra­to­rium, dem Museum für Wissenschaft, Kunst & menschliche Erkenntnis zu San Francisco, erstmals der Pi-Tag zelebriert. 22 Jahre danach ernannte der US-Kon­gress den 14. März zum offiziellen Nationaltag für die Kreiskonstante Pi.
Der exakte Zeitpunkt entspricht gemäß ame­ri­ka­ni­scher Datumsschreibweise 3/14 und Uhrzeit der Kreiszahl Pi bis zur fünften Dezimalstelle: 3,14159. Die Zeremonie »um eine runde Sache zu feiern« besteht darin, dass die Teilnehmer im Kreis um den sogenannten Pi-Schrein in der Mitte des Exploratoriums herumlaufen, wobei sie kreis­rund gebackene Kuchen verzehren.
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(Über die Zahl Pi wurden seinerzeit hieramts etliche launige Verse gereimt; höchst »Er­staun­li­ches« darüber weiß übrigens auch DIE WELT zu verraten.)

Der Amtsweg ist das Ziel.

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