2. September

Heute vor 122 Jahren erblickte im galizischen Brody (heute Ukraine) der große öster­rei­chi­sche Schriftsteller Joseph Roth (1894-1939) das Licht der k. & k. Donau­mo­nar­chie.

Roth war in gleichem Maße glühender Monarchist und exzessiver Alkoholiker. 1939 traf er im Exil in Paris mit Otto von Habsburg zusammen, dem Sohn des letzten Kaisers von Österreich & Königs von Ungarn. Kaisersohn Otto war darüber besorgt, dass der halt­lose Alkoholkonsum den großen Dichter über kurz oder lang zu Tode bringen würde, deshalb ließ er ihn vor sich antreten und sprach ein Machtwort: in scharfem Ton befahl er Roth, augenblicklich mit dem Trinken aufzuhören.
Roth schlug die Hacken zusammen und rief: »Jawoll, Majestät!« – und rührte fortan keinen Tropfen Alkohol mehr an.
Kurz darauf starb er. Todesursache war der abrupte Alkoholentzug.
Malte - So, 14:44

Aprupter Alkoholentzug.. ;-) der liebe Kerl wusste einfach nicht was er sonst trinken sollte.

gulogulo - Di, 18:41

Das heißt, er ist verdurstet?
pathologe - Di, 19:00

Er ist eher einem Wissenskonflikt erlegen.
404 - Di, 19:11

Möchte nicht wissen, vielleicht Schreibereien im Rausche entstanden sind. Im Laufe der Jahrunderte und so...!

nömix - Sa, 14:25

»Können Sie mir fünf amerikanische Autoren seit E. A. Poe nennen, die nicht an Trunk­sucht gestorben sind?« fragte Sinclair Lewis, selber Alkoholiker.
Einer (amerikanischen) Statistik zufolge sind Schriftsteller nach Barkeepern die Be­rufs­gruppe, die am zweithäufigsten von der Todesursache: Leberzirrhose be­troffen ist. Unter den Literaturnobelpreisträgern liegt der Alkoholikeranteil bei über 70 Prozent.
Ein Roth, ein Heinrich Heine, ein Oscar Wilde, James Joyce, Hemingway, Jack Kerouac, Charles Bukowski & tausend andere – ob wir von den Leuten jemals was gelesen hätten, wenn die Abstinenzler gewesen wären?
(Roths letztes/posthum hinterlassenes Werk heißt übrigens: “Die Legende vom heiligen Trinker“.)
Bubi40 - Fr, 09:37

ich bin der festen überzeugung, dass die menscheit viele ihrer kunstwerke nicht hätte, gäbe es keinen alkohol.
aber es klappt nicht immer ... ;-)))
http://bubi40.twoday.net/stories/betrifft-das-bild-rechts/
krassNICK - Mi, 16:12

Schon der olle William Shakespeare
trank statt Schorle lieber Beck's Bier.
anderGast - Sa, 09:55

das gegenteil von gut ist gut gemeint.

gruss a.

profiler1 - Fr, 09:39

lieber besoffen etwas bedeutendes zuwege gebracht als nüchtern luft zu produzieren.

steppenhund - Fr, 11:06

Ich habe mich gestern besoffen. Und statt jetzt die wirklich wichtige Arbeit zu machen, blogge ich. Ts, Ts, Ts...
-
Und fühle mich recht "getiltet".

Croco (Gast) - So, 10:40

Frag sich's nur , wer kam zuerst.
War es der Alkohol, und dann die Literatur,
oder führt der einsame Kampf um's Wort direkt in den Suff?

Olaf (Gast) - Di, 11:38

Schriftsteller sehen die Welt mit anderen Augen, irgendwie nüchterner. Vielleicht müssen sie deshalb besoffen sein, damit sie ihr Dasein aushalten können? Oder anders gesagt:

Realität ist eine Illusion, die durch Mangel von Alkohol hervorgerufen wird.

nömix - Di, 14:33

Ja, auf der Aufnahme etwa wirkt Hr. Roth durchaus seines Daseins überdrüssig:

Joseph Roth (re.) mit Stefan Zweig, beim Trinken

(berüchtigt für notorischen Alkoholabusus war u.a. auch der niederösterreichische sog. »Heurigenhölderlin« Josef Weinheber – nomen est omen.)
G.W. (Gast) - Di, 18:48

Joseph Rothwein mit Stefan Zweigelt? ;-)
Trithemius - Mi, 09:47

Mal ein offenes Wort:
Bis vor zwei Jahren habe ich gewiss 90 Prozent meiner Texte unter Graseinfluss geschrieben. Leider darf ich nicht mehr rauchen und alles, was ich schreibe, ist seither nüchterner. Daher erwäge immer öfter mit dem Saufen anzufangen, weiß aber, dass ein Alkoholrausch lange nicht so produktiv ist wie einer aus Gras.

nömix - Do, 11:00

Ich meine aber, dass der Produktivität von alkoholabhängigen Literaten selten der Al­ko­hol­rausch förderlich war bzw. ist, als vielmehr die beständige Alkoholeinwirkung auf konstantem Niveau. Was einer im Rausch geschrieben hat, verwirft er meist eh wieder, wenn ers am Tag darauf im ernüchterten Zustand nochmal liest. Es geht wohl eher um den zur Pro­duktivität erforderlichen erhöhten Alkoholpegel als um Alkoholberauschung.

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