30 Tage um die Welt

In 30 Tagen um die Welt, 59. Tag

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.. nach Kleinraßberg bei Neulengbach
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Beim Suttenwirt in Kleinraßberg hängt über den Pissoirs am Män­ner­klo eine meterlange Tafel mit dem Uralt-Häuselschmäh:
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Tafel und Beschriftung sind allerdings dermaßen groß dimensioniert, sodass jeder nor­mal­sich­tige Pissoir-Benützer unweigerlich einen Schritt zurücktreten muss, damit er’s über­haupt als ganzes lesen kann.

In 30 Tagen um die Welt, 29. Tag


.. von Lainz nach HaWei
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Wie Hadersdorf-Weidlingau zu seinem Namen kam:

Im elfhundertzwoundneunzigsten Jahre d. H. trug es sich zu, dass Kaiser Friedrich Bar­ba­rossa auf der Heimkehr aus dem Heiligen Land, allwo er gegen die Heiden und Mame­lucken gefochten, vor den Toren Wiens Rast hielt. Korrigiere: nicht Kaiser Rotbart, König Löwenherz wars. König Löwenherz also hielt Rast, stets dabei sein getreuer Knappe, der Sänger Blondel. Knappe Blondel nahm seinem Herrn die Lanze ab und lehnte sie an einen Haselnussstrauch.
“Wo ist meine Lanze, Knappe?“ fragte der König, als sie wieder aufbrachen, und Blondel wies auf den Haselnussstrauch und, sintemalen wir uns grad im Mittelalter aufhalten, sprach:
“Dort laint s’.“
“Wie heißt dieser Ort?“ begehrte der König zu wissen.
“Er hat keinen Namen, Herr.“ tat Blondel kund.
“So lasset uns denn,“ sprach König Löwenherz, “jenen Ort fürderhin Lainz nennen.“
Und sie zogen von hinnen.
Als sie nun abermals Rast hielten, da nahm Blondel seinem Herrn wiederum die Lanze ab und lehnte sie an einen Haselnussstrauch, kennen wir schon. Aufs neue fragte beim Aufbruch der König “Wo ist meine Lanze, Knappe?“, und Blondel wies auf den Strauch: “Dort laint s’.“
“Und wie heißt dieser Ort?“ begehrte der König zu erfahren, und Blondel tat kund: “Er hat keinen Namen, Herr.“
“Wohlan,“ sprach darauf König Löwenherz, “so lasset uns jenen Ort fürderhin Lainz nennen.“
“Vergebt, Herr,“ wandte indes Blondel ein, “doch Lainz nanntet Ihr bereits einen Ort.“
König: “Lainz hatten wir schon?“
Blondel: “So ist es, mein König.“
“Nun denn,“ entschied darob König Löwenherz, “so lasset uns jenen Ort fürderhin Ha­ders­dorf-Weidlingau nennen.“
Und sie zogen von dannen.

18. Jänner: Welttag des Schneemanns

Als Datum für den Welttag des Schneemanns wurde der 18. Jänner gewählt, wobei die 8 sym­bolisch für die Figur des Schneemanns und die 1 für seinen Stock oder Besen steht. Welchen Nutzen ein Welttag des Schneemanns haben soll, weiß kein Mensch – macht aber nix, weiß ja von den ägyptischen Pyramiden auch keiner. Oder vom Team Stronach. Oder von Bauch­na­bel­pier­cing usw.
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In 30 Tagen um die Welt, 58. Tag
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.. Cortonwood / Yorkshire : Der Schneemann und der Polizeichef
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Am 6. März 1984 begann in Cortonwood in Yorkshire der einjährige bri­tische Berg­ar­bei­ter­streik, der Miners’ Strike oder Coal Strike von 1984-1985, in dessen Verlauf es wie­der­holt zu heftigen Aus­ein­an­der­setz­un­gen mit der Polizei kam. Bruce Wilson, einer der strei­ken­den Berg­männer, notierte in seinen 2004 veröffentlichten Tage­buch­auf­zeich­nun­gen eine Episode aus dem bit­ter­kalten Februar 1985:
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Nachts hatte es geschneit und einige hatten, um sich sich auf­zuwärmen, einen großen Schnee­mann gebaut und diesem einen erbeuteten Polizeihelm auf den Kopf gesetzt. Der Polizeichef, Chief Superintendent John Nesbit, wollte derlei despektierliche Obrigkeitsverspottung nicht dulden, startete höchstpersönlich einen Streifenwagen Marke Range Rover und fuhr mit Voll­gas auf den Schneemann zu, um ihn zu zerstören. Das Ergebnis war ein gehöriger Crash samt veri­tab­lem Totalschaden – nämlich am Streifenwagen: die Bergleute hatten den Schneemann rund um einen massiven Betonpoller errichtet.
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(Die Episode findet auch Erwähnung in: B. Eckstein, The History of the Snowman/2007; so­wie in dem Song: K. Tomlinson, The Super and the Snowman. Überdies scheint sie auch in Form einer Wandersage unterwegs zu sein: hier eine Variante mit Kindern statt Berg­leu­ten.)

In 30 Tagen um die Welt, 57. Tag

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.. von Wagram am Wagram nach Eggenburg
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Wagram am Wagram ist eine kleine Ortschaft am Wagram, einer markanten Lößstufe entlang der Donau in Niederösterreich.

Die altertümliche Flurbezeichnung Wagram/Wagrein/Wagrain u.ä. setzt sich aus den bei­den alt­hochdeutschen Wörten wāg (= Fließgewässer) sowie rein (= Rain, Rand, er­höh­te Be­gren­zung) zusammen und bedeutet also Flussrand, Uferböschung, und kommt ziemlich häufig vor, weswegen Wagram am Wagram explizit als »am Wagram« verortet wurde, damit mans nicht ver­wech­selt.

Die Sedimentablagerungen aus dem Tertiär (dem sog. Eggenburgium, als das Donaubecken von einem urzeitlichen subtropischen Ozean bedeckt war) stecken voller mariner Fossilien, wel­che der aus Eggen­burg gebürtige Pa­lä­on­to­loge Johann Krahuletz zur vorigen Jahr­hun­dert­wende ton­nen­weise aus dem Wagramer Löß klaub­te und heute im nach ihm benannten Kra­hu­letz-Museum eben­da zur gefälligen Betrachtung ausgestellt sind, darunter Kuriosa wie etwa das Eggen­bur­ger Kro­ko­dil (Gavialosuchus eggenburgensis) oder die prähistorische Seekuh (Me­ta­xy­the­ri­um kra­hu­letzi).

(Im Krahuletz-Museum Eggenburg findet übrigens auch eine Dauerausstellung »Gesteine im Gespräch« statt – was man sich gewiss als ungemein unterhaltsame Veranstaltung vor­stellen darf ;)

Kollege gnaddrig schreibt hier über pseudo-etymologische An­den­haarenherbeigezerrthei­ten, und das erinnerte mich an den Blödsinn, den wir im Heimatkunde-Unterricht in der Volks­schule lernten, woher der Wagram seinen Namen habe:
Der stamme nämlich aus der alten Germanensprache, wurde uns weisgemacht, weil der Wag­ram in früheren Zeiten eben am Meer lag, wie die versteinerte Meeresfauna bezeuge, und da­her wurde er dazumals auf gut altgermanisch wagram genannt, das heißt »Wogenrain«.
Wenn ich heutzutags am Wagram vorbeifahre, fällt mir jedesmal die absurde Vorstellung wie­der ein, welche Herr Heimatkundelehrer selig uns damals in die Kinderköpfe pflanzte: wie die alten Germanen seinerzeit vor 20 Millionen Jahren dortselbst vom Wogenrain herabgeblickt und Krokodile & Seekühe in der tertiären Sintflut hätten umherschwimmen gesehen.
(Freilich lernten wir in der Volksschule nicht nur Blödsinn, nebenbei auch manch fürderhin nutzreiches Wissen ;)

In 30 Tagen um die Welt, 56. Tag

    .. Völtendorf : International Airport St. Pölten
Am 21. Mai 1997, elf Jahre nach seinem Hauptstadtbeschluss, sie­del­te der niederösterreichische Landtag von Wien ins neu errich­te­te Regierungsviertel nach St. Pölten a. d. Traisen um.

So musste das gesamte niederösterreichische Landesregierungspersonal damals von einem Tag zum andern von seinem alteingesessenen Arbeitsplatz in Wien zur neuen Landes­haupt­stadt nach St. Pölten auspendeln, was mit ausgedehnten Anfahrtszeiten einherging und kein reines Vergnügen war.

Als sechs Jahre zuvor der Sitz der deutschen Bundesregierung nach Berlin verlegt und für das Personal ein Shuttle-Flugdienst von Köln-Bonn und retour eingerichtet wurde, da war das freilich recht komfortabel, also forderten die St. Pöltener nun vehement sowas ebenfalls: einen Pendel-Linienflugverkehr Wien–St. Pölten.
Tatsächlich machte ein Schlaumeister die sensationelle Entdeckung, dass es in Völten­dorf in der St. Pöltener Pampas wahrhaftig einen Flugplatz gibt: die Freude war groß. Leider stellte sich bei näherem Augenschein heraus, dass es sich bei dem sog. »Flugplatz Völtendorf« mit­nichten um einen Flugplatz, vielmehr um eine unbefestigte Piste für Hobby-Flieger auf einem Acker neben der Pielachtaler Bundesstraße handelt, dessen Infrastruktur sich im wesentlichen in einer Windfahne, einem Mobil-Klo und einem Kaugummi-Automaten erschöpfte (Luftbild: »International Airport St. Pölten«).

Somit platzte der Traum der St. Pöltener Regierungsbeamtenschaft, wie ihre Berliner Kollegen zur Arbeit fliegen zu dürfen, und sie müssen mit dem Zug fahren.


Flugplatz Völtendorf : »Im Jahr 2008 wurde die Graspiste mit Kunststoff-Gitterplatten aus­ge­legt, um Maulwurfshügel möglichst zu verhindern.«  (Wikipedia)

In 30 Tagen um die Welt, 55. Tag

    .. wie der Arschlochwinkl zu seinem Namen kam
Zur vorletzten Jahrhundertwende schwärmten k.u.k. Land­ver­messer im Salzkammergut und Dachstein­gebiet aus, um die Re­gi­on erstmals amtlich zu kartographieren.

Dazu erkundigten sie sich bei den Einheimischen nach den verschiedenen Orts- und Flurbezeichnungen. Weil zahl­reiche aber überhaupt keine Namen hatten, die Landver­messer mit ihren Fragen jedoch insistierten, machten sich die Einheimischen eine Gaudi daraus, Namen zu erfinden, welche die k.u.k. Kartographen artig in ihre amtlichen Kar­ten eintrugen. Und so kam unter anderem der »Arsch­loch­winkl« im Dachsteinge­biet zu seinem Namen.
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In 30 Tagen um die Welt, 54. Tag


.. am Nordpol
    Einst fuhr ich durch die Welt dahin,
    da stand nach Einkehr mir der Sinn:
    da kehrte ich am Nordpol ein
    auf einen Krug voll Bier.
    (Wer’s mir nicht glauben mag, lässt’s sein.
    Wer’s glauben mag, sieht’s hier.)

In 30 Tagen um die Welt, 53. Tag

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.. von Nürnberg nach Leipzig: eine Ortschaft namens Lederhose

Die Ortschaft Lederhose liegt in Thüringen, hat 270 Einwohner, eine ei­ge­ne Autobahnanschlussstelle sowie ein eigenes Gemeindewappen, nämlich eine grüne Lederhose vor gelbem Hintergrund. Warum die Lederhose auf dem Lederhosener Wappen grün ist, weiß man nicht.
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Der Name leitet sich von der früheren slawischen Ortsbezeichnung Ludoraz her.


(A9 Nürnberg–Leipzig)

In 30 Tagen um die Welt, 52. Tag


..  Sonntagsausflug ins Waldviertel

Im Waldviertel ist es sechs Monate Winter und sechs Monate kalt, so sagt man.

Zur Beachtung: Bei Sonntagsausflügen ins nördliche Waldviertel ist ein unerwarteter Wetter­umschlag durchaus nichts Ungewöhnliches.
(Allgemeine Automobil≈Zeitung
Officielle Mittheilungen des Oesterreichischen Automobil≈Club, 1900)

In 30 Tagen um die Welt, 51. Tag


.. von Gloggnitz nach Mürzzuschlag

Heute vor 157 Jahren, nämlich am 17. Juli 1854, wurde die Semme­ringbahn eröffnet, die erste Gebirgseisenbahn Europas.

Die Errichtung ging auf das Betreiben Erzherzog Johanns zurück, welcher herzogliche Güter in Niederösterreich sowie der Steiermark besaß. Zuvor musste er, wenn er mit der Südbahn zu seinen Besitzungen reiste, auf der Strecke über den Semmeringpass zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag auf Pferdegespanne umsteigen, was nicht grad komfortabel war. Die Lücke in einer durchgehenden direkten Eisenbahnverbindung zwischen Wien und Triest (dazumals österreichischer Adriahafen) wurde nunmehr geschlossen. Erbauer der Semmeringbahn war Carl Ritter von Ghega, den man im Bild unten nicht sieht, weil er auf der Rückseite drauf ist.



Bemerkenswert, dass der IC-Verkehr Österreich–Italien bis zur heutigen Gegenwart noch immer über die historische Ghega-Trasse führt (14 Tunnel, 16 Viadukte – teils zweistöckig – sowie über 100 Brücken & Durchgänge auf einer Streckenlänge von 40 km), die seit ihrer Er­bau­ung kaum nennenswerte Nachbesserungen erforderte.

Der Amtsweg ist das Ziel.

Parteienverkehr

Und am 14. Dezember...
Lo - Do, 19:46
Paulus schrieb...
gnaddrig - Do, 15:26
petrus schrieb...
anderGast - Do, 09:52
paulus schrieb...
anderGast - Do, 09:46
Paulus schreibt...
gnaddrig - Do, 09:26

Amtsverkehr


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