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30 Tage um die Welt

In 30 Tagen um die Welt, 47. Tag

rca1   ..  von Polen nach Piemont

Von Polen mit einer Ladung tiefgefrorener Kirschen runter nach Alba im Piemont. Aus Alba kommen die weltbekannten Kirschpralinen, die mit der Piemont-Kirsche. Pro Jahr werden davon weltweit über 100.000 Tonnen verkauft. (Man möchte meinen, der ganze Piemont müsse voller Kirschbäume sein, damits genug für die Pralinen gibt, is aber nicht. Kirschbäume stehen dort nicht mehr als bei uns, dafür ist der ganze Piemont voller Haselnuss-Plantagen.)
In Alba reifen unter der mediterranen Sonne die Piemont-Kirschen heran werden die polnischen Tiefkühlkirschen aufgetaut und die weltbekannten Kirschpralinen damit hergestellt.
Von Turin mit einer Ladung tiefgefrorener italienischer Schweinshaxen rauf ins Münsterland. Im Münsterland wird der weltbekannte Westfäler Schinken hergestellt.

In 30 Tagen um die Welt, 46. Tag

rca1   ..  von Gsiberg nach Pembroke Dock

Von Vorarlberg mit 3 Stück 6-Tonnen-Gabelstaplern unterwegs nach Pembroke Dock, Südwest-Wales. Waliser und Vorarlberger haben gemeinsam, dass außer ihnen selber kein Mensch ihre Sprache versteht. Mit dem Unterschied, dass man sich mit einem Waliser in einer lebenden Fremdsprache verständigen kann, z.B. auf Englisch. Das geht in Vorarlberg nicht. Mit den Vorarlbergern kann man sich zwar in einer lebenden Fremdsprache verständigen, z.B. auf Deutsch, aber nur in Schriftform. Sprechen tun sie es grundsätzlich nicht. Wenn man von einem Vorarlberger was wissen will, muss man sich von dem eine SMS schicken lassen, auch wenn er direkt neben einem steht.
Die Abladeadresse ist eine Firmenhalle, noch im Rohbau. Laderampen sind noch nicht fertig, wie soll man die Gabelstapler vom Lkw abladen. Also ruft der zuständige Mann dort in seiner Firmenzentrale an, wie das Problem zu lösen sei. Ich versteh kein Wort davon, was am Telefon auf walisisch besprochen wird, aber der Mann erklärt mir anschließend amüsiert, was ihm die in der Zentrale gesagt hätten:
Wir sollten einfach warten, heute müsse eh ein Lkw aus Österreich mit einer Ladung Gabelstapler eintreffen, und mit den neuen Gabelstaplern könne der Lkw sodann entladen werden.
Der Lkw aus Österreich, der bereits am Hof steht. Mit der Ladung Gabelstapler drauf. Münchhausen, der sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zieht – kein Wunder, dass der Mann über das Telefonat recht belustigt war.
(schließlich rückte dann ein Autokran von einer Kranverleih-Firma an, der lud die Gabelstapler ab.)

In 30 Tagen um die Welt, 45. Tag

rca1   ..  von Lednické Rovne nach Kairouan

Globalisierung, noch ein Beispiel: der (koreanische) Autozulieferer Y. stellt in der slowakischen Tatra eine Werkshalle in die grüne Wiese, dafür gibts div. Subventionen aus Brüssel, EU-Randzonenförderung usw. Dann startet der Pendelverkehr:

Vorletzten Donnerstag übernehm ich dort oben eine Komplettladung leere Plastik-boxen, leere wohlgemerkt, damit gehts zum Zoll nach Bratislava. Anschließend weiter nach Genua, Freitagabend geht die Fähre nach Tunis.
Im tunesischen Filialwerk werden die Plastikboxen mit Auto-Zubehörmaterial gefüllt, produziert von emsigen, fröhlichen & plauderfreudigen maghrebinischen Mädchen in 12-Stunden-Fließbandschichten, 6 Tage die Woche, für umgerechnet rund 120.– € Monatslohn. Die maghrebinischen Männer tun nix, die sitzen herum und trinken Pfefferminztee und schauen den Mädels beim Malochen zu. Dazwischen läuft ein Dutzend koreanischer Werks-Manager herum, mickrige kleine gelbe Männlein in Kunstfaser-Anzügen mit Zigaretten im Mundwinkel und demonstrativ zur Schau getragener grimmiger Verächtlichkeit gegenüber all den maghrebinischen Arbeits-Sklavinnen, Herumsitzern & Teetrinkern, österreichischen Fernfahrern und dem Rest der Welt gleichermaßen.
Zurück nach Europa. (in Genua zwickt es dermal – bleibe zwei Tage im Zollhafen hängen, kann passieren. Meistens dauerts am Zoll kaum ein, zwei Stunden, aber gelegentlich gibts Stichkontrollen wg. Schmuggeltransporten/illegalen Immigranten usw. Macht nix, spaziere ich derweil zwei Tage in Genua herum, sehenswerte Stadt. Kolumbus wurde hier geboren.)
In der slowakischen Filiale der Firma Y. wird das tunesische Automaterial entladen, mit (nehm ich mal an, rein vermutungshalber) »Made in EU«–Ursprungszertifikaten aufgebrezelt, wiederum verladen und an verschiedene europäische Autohersteller ausgeliefert. Ich fasse eine neue Ladung leere Plastikboxen aus, und los gehts wieder nach Afrika, nächste Runde.

In 30 Tagen um die Welt, 44. Tag

rca1   ..  von Novo Mesto nach Rotterdam

Letzte Woche in Novo Mesto (Slowenien) einen Container nach Rotterdam geladen, Ladung bestimmt für Island.
Verlader spricht recht gut deutsch, fragt mich: “Fahren Sie direkt nach Island zum Abladen?“
Sag ich: “Eher unwahrscheinlich.“

(vielleicht hat er in der Schule Deutsch statt  Geografie gehabt ;)

In 30 Tagen um die Welt, 43. Tag


.. in der Steiermark: seltsame Laute

»Österreicher und Deutsche unterscheiden sich voneinander durch ihre gemeinsame Muttersprache.« sagte Karl Farkas.

Aber die Steirer – woran unterscheiden wiederum die sich von den Restösterreichern? Eine Mutter-“Sprache“ per definitionem kann das Steirische ja nicht sein, denn wärs eine Sprache, tät man das sicher bemerken. Wenns aber keine Sprache ist, wodurch sich die in der Steiermark artikulieren, was ist es dann? Gute Frage.
(“Liptauersemmel“ etwa heißt auf stoasteirisch “Taoupf’mkaasbaounzal“.)
(und wenn ein Steirer “oaschboat“, dann tut er durchaus nix Unanständiges ;)

(Ein Arbeitskollege von mir, Stoasteirer seines Zeichens, berichtete uns eines Tages er habe sich ein neues Auto angeschafft, einen VW Rapid nämlich.
VW Rapid? – hatten wir noch nie gehört, was für ein Auto solle das sein?
Na, ein VW Rapid halt!, beharrte unser Stoasteirer, sehe man doch eh alle arschlang. Wir gingen auf den Parkplatz raus, um uns sein neues Auto anzuschauen,
und dort stand: ein VW Golf “Rabbit“.)

In 30 Tagen um die Welt, 42. Tag


.. letzte Woche im Burgenland :  Käse Bohnen

Sachen gibts – da gibts zum Beispiel in K. bei Güssing im Südburgenland dieses Imbiss-Espresso, mit dem merkwürdigen Namen: »Cheese Beans«.
Letzte Woche trank ich dort einen Kaffee, und fragte das Mädel hinter der Bar, was der Name zu bedeuten habe. Sie erklärte mir, dass das Lokal ihr und ihrer Cousine gemeinsam gehöre, und weil sie beide eben kesse Bienen seien, wäre es nach seinen Besitzerinnen benannt. Und weil sichs cooler anhört, sollte der Lokalname englisch sein.
Bienen auf englisch haben wir selber gewusst,“ erzählt sie, “und wegen kesse haben wir meinen Schwager angerufen, der kann nämlich englisch und hats uns am Telefon übersetzt.“
Cheese!

In 30 Tagen um die Welt, 41. Tag


.. Tulln , Zuckerstadt an der Donau

Aus Tulln kommt der Zucker. Haben Sie gewusst, dass Zucker einen Geruch hat? Die Zuckerfabrik steht mitten in Tulln, und bei Niederdruckwetter hängt der Zuckergeruch über der ganzen Stadt. Die Tullner Luft riecht süß. Der Tullner Zucker wird in Tanks abgefüllt und geht auf die Reise, z.B. nach Vorarlberg am schönen Rhein.


Mit 25 Tonnen Zucker gehts nach Vorarlberg ..

In Vorarlberg zuckern sie ihr Wasser damit, füllen es in Tetrapaks und verkaufens als Eistee. So geht wiederum das gezuckerte Vorarlberger Wasser auf die Reise: unter anderm auch z.B. nach Tulln an der schönen Donau.


.. mit 25 Tonnen abgepacktem Zuckerwasser gehts retour.

In 30 Tagen um die Welt, 40. Tag

rca1   ..  von Zwettl nach Bukarest

Wieder mit einer Fuhre Erdäpfel unterwegs, aus dem Waldviertel nach Bukarest. Rumänische Erdäpfel sind für gewöhnlich relativ klein, naturbelassen, mit dicker schrumpeliger Schale und gutem Geschmack. Die Waldviertler Erdäpfel: riesengroß, mit chemischem Dünger & Pestiziden künstlich hochgezüchtet, hauchdünne Schale, wenig Nährstoffe, so gut wie geschmacklos. Kaum viel mehr als aufgepuschte Zellulose & Wasser. Und wesentlich teurer. Aber: weniger Arbeit beim Schälen. Deshalb kaufen sie die Rumänen lieber, wie mir der Großhändler erklärt.
Der Gemüsegroßmarkt in Bukarest ist ein großer staubiger Platz, bevölkert von zahllosen streunenden Hunden, die Erdäpfel werden palettenweise direkt vom Lkw runter verkauft. Derweil ich nebenan in der Marktkantine frühstücke, danach ein Schläfchen, nach kaum zwei Stunden ist der Lkw entladen. 25 Tonnen Erdäpfel aus Zwettl auf dem Weg in rumänische Kochtöpfe.
(Retourladung gibts diesmal keine, Leerfahrt zurück. Montag gehts wieder runter, gleiche Tour nochmal.)

buk1

In 30 Tagen um die Welt, 39. Tag


.. von Südamerika nach Hawaii

Das giftigste landbewohnende Amphibium, wenn nicht das giftigste Tier überhaupt, ist der südamerikanische Schreckliche (heißt wirklich so) Pfeilgiftfrosch. Bereits vor der Erfindung von Pfeil & Bogen verwendeten die indianischen Ureinwohner Pfeilgiftfrösche als tödliche Waffen, indem sie ihre Feinde damit bewarfen oder sie ihnen heimlich ins Müesli mischten.
Außer in Südamerika gibt es noch eine allochthone (= ursprünglich dort nicht beheimatete) Population von Pfeilgiftfröschen auf Hawaii. Weils auf der Südseeinsel vorher keine gab, wurden die hochgiftigen Frösche Anfang des 20. Jahrhunderts von Menschenhand künstlich dort angesiedelt, was natürlich eine mords schlaue Idee war.
Mittlerweile haben die allochthonen Giftfrösche in ihrer neuen Heimat zahlreiche heimische Arten verdrängt, von daher stammt die hawaiianische Redensart “lurch Schaden wird man klug, oder: nachher ist man immer schlauer.“

In 30 Tagen um die Welt, 38. Tag

rca1   ..  von Odessa nach Purkersdorf

Was importieren die Bayern aus Ägypten? Ratet mal. Das gleiche was die Österreicher in die Ukraine exportieren. So läuft das mit der Globalisierung. Letzte Woche, zum Beispiel:

Eine Ladung Erdäpfel kommt aus Ägypten per Schiff übers Mittelmeer nach Ancona an der Adria, dort krieg ich sie auf den Lkw umgeladen. Mit 25 Tonnen ägyptischer Erdäpfel gehts über den Brenner zum Großmarkt München. Klar wachsen auch in Deutschland genug Erdäpfel, aber in Afrika sind sie billiger.
Tags darauf im Innviertel/Oberösterreich: eine Ladung für Odessa, Ukraine. Nämlich 25 Tonnen Erdäpfel. Mit den Innviertler Erdäpfeln gehts ans Schwarze Meer – bizarr, nichtwahr. Klar wachsen auch in der Ukraine genug Erdäpfel, aber in Österreich sind sie billiger.
(Retourladung in Galaţi, Rumänien: eine Ladung Eichenrundholz nach Purkersdorf im Wienerwald. Klar wachsen auch bei uns genug Eichen, aber so läuft das halt.)
Warum die ägyptischen Erdäpfel nicht in Odessa an Land gehen, die Innviertler Erdäpfel nicht einfach nach Bayern rüber geworfen und die Eichen nicht gleich im Wienerwald vor der Haustür gefällt werden, hat alles seine Logik. Und Logistik.
Rumänische Eiche

Rumänien: der kleine Gigerer (Pfeil) muss die Stämme aus dem Wald ziehen, dann werden sie nach Österreich geschafft. Was für die Lkw-Verladung zu lang ist, wird abgeschnitten.

Der Amtsweg ist das Ziel.

Parteienverkehr

Ach ja, nochmal...
textorama - Mo, 13:37
Ob er seinen...
cappuccina - So, 09:28
Vorsichtig, Herr...
Perlenschwein (Gast) - Mi, 18:06
glücklicherweise...
MoniqueChantalHuber - Mi, 02:31
Aha. Jetzt wird...
pathologe - Di, 15:41

Amtsverkehr

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