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Apostrophisches

Markenimage-Kampagne

Hätt’ ja gern mal gewusst,
  • wieviele Creative Directors mit schwarzen Rollkragenpullis, Schnallenschuhen & Designerbrillen müssen
  • wieviele Semester an der Werbe-Akademie studieren,
damit die es schaffen, als neuen Markenimage-Slogan, der einem krisengebeutelten Autohersteller in der Absatzflaute frischen Wind verschaffen soll, so einen Schmarrn auszubrüten:
und was schätzen die in etwa,
  • wieviel Prozent (von null aufwärts) aller noch unentschlossenen potentiellen Neuwagenkäufer sich von so einem Markenslogan zur Anschaffung eines Opels anstelle eines Konkurrenzproduktes animieren lassen?

Fußnote

Ein Pedophiler ist kein Fußfetischist, sondern ein Rechtschreibfehler.

Phraseologisches

Wie hört sich das eigentlich an, wenn etwas auf geteiltes Echo stößt – etwa wie eine hohle Phrase?
Wie hat man sich einen Stoß auf Echo vorzustellen – wie Stoß gegen Schallmauer? Löst Stoß auf Echo nachhalltige Resonanz aus?
Und: wie lässt sich Echo überhaupt teilen, E-
-cho oder Ech-
-o, oder was fällt dem Duden dazu ein?

Phrasen über Phra Fragen über Fragen, die auf geteiltes Echo stoßen ..

Saisonales

Auf einmal gibts wieder überall lauter italienische Salzgeschäfte.

sale11

Falls Sie mal Rücken bügeln:

    ratgeber-telegramm   (Bild.de)

Otographisches

Ohrthographie schreibt man nur mit zwei h, schreiben Sie sich das hinter die Ohren.

Pidginesisches

Autobahn-Maut heißt auf  österreichisch “Road-Pricing“ – vermutlich nicht ohne Grund, weil wenns “Autobahn-Maut“ hieße, würde sich ja kein Mensch was drunter vorstellen können.

Kanzleipoetisches

Kollege H. macht auf die inhärente Poesie der Kanzleisprache aufmerksam, zu Recht.

Afternutznießung*, welch lyrische Vokabel – als wär sie geradewegs aus einem Sonett entsprungen. (etwaige prosaischere blumige Assoziationen beruhen mutmaßiglich* auf Bösgläubigkeit*.)

Als poesievolle Kanzleitradition wird Nutznieß* und Nießbrauch* bei Fruchtgenuss* gepflogen, was keine Obstallergie ist, sondern Amtsösitanisch. Gesundheit.

(Niesen ist übrigens nirgends verboten, jedenfalls nicht laut Nießrecht*.) (außer im Keith Jarret-Konzert.)

Wo ein Aftermieter* daheim ist, darf der kanzleipoetisch Versierte gern raten.

In tunlichster Bälde

Die Grenze zwischen Sprachkreativität und Sprachkretinösität verläuft mitunter fließend, die krampfbemühte Verhyperlativierung wehrloser Adverbien ist so ein Fall.

Kollege U. greift in einem Beitrag die grausliche Adverbialkreatur “baldmöglichst“ auf. Was “möglichst bald, so bald wie möglich“ heißt, versteht ja vielleicht nicht gleich jeder – schau mer mal, ob sich das nicht bissel aufpimpen (= tieferlegen) lässt, damit’s auch der semantische Laie kapiert:

Wenn baldmöglichst nimmer bald genug ist, muss es baldestmöglich sein,
und wer’s noch bälder haben will, der nehme baldigstmöglich.
Am bäldesten ist wohl baldigstmöglichst.
(da pressiert’s einem offensichtlichst wirklichst akut. Akutigst quasi.)

Im Amtsösterreichischen ist der Ausdruck ehebaldigst durchaus populär –
hört sich zwar in der geläufigen Form eh schon grauslichst genug an (flagranter Fall von Amtsohrenbeleidigung), geht aber noch baldiger, nämlich ehestbaldig.
Am baldigsten heißt folgerichtigst: ehestbaldigst.

Baldissimo! Einzigstartigste Pretiosen, die den Sprachschatz bereichern.

Könnte ja sein ..

.. dass der Billigsdorfer-Streichkäse vom Lidl, seitdem der nimmer “Streichkäse“ heißt sondern “Wellness-Käse“, auf einmal wesentlich stylischer schmeckt als vorher. Könnte sein, muss aber nicht.