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Selber schuld

Falls Sie sich schon mal gefragt haben, wer eigentlich dafür verantwortlich ist, dass man in den Medien allenthalben nix wie Schund & Schmarrn & inhaltsleeren Quatsch zu lesen und zu sehen kriegt:

Die Leser und Zuschauer sind selber schuld an dem Mist, den sie vorgesetzt kriegen, na also. Die Medien können gar nix dafür, weil die vom Publikum ja gesteuert werden.

Diese Argumentation ist nicht minder läppisch, als würde ein Koch den schlechten Fraß, den er auftischt, damit rechtfertigen, dass ihn die Leute ja fressen. Die Leute wären also für den schlechten Fraß selbst verantwortlich, indem sie den Koch steuern, weiter schlecht zu kochen.

Die Medien, willenlose ferngesteuerte Marionetten des Publikumsdiktats? Wie erbärm­lich. Man weiß kaum, wen man mehr bedauern soll: die armen Medien, oder das arme Publikum.

Geht’s noch?

Was für blödsinnige Frage ist das denn? Geht’s noch?
Noch nie was von der Pest gehört, den Pocken, Cholera, der Spanischen Grippe, AIDS?

Welche Hirnchristler lässt man beim FOCUS eigentlich die Schlagzeilen aushecken? *)
_____________
*).zum Vergleich:
  • Pest (1346-1352):  25 Millionen Todesopfer
    (fast ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung)
  • Spanische Grippe (1918-1920):  50 Millionen Todesopfer
  • AIDS (seit 1980):  über 25 Millionen Todesopfer
  • Ebola (seit 1976):  bisher ca. 1800 Todesopfer
(Offenkundig ist der FOCUS-Schlagzeilenaushecker schlicht zu blöd zum abschreiben: tatsächlich ist in den betreffenden Pressemeldungen lediglich von der »schlimmsten Ebola-Epidemie aller Zeiten« die Rede.)

Definieren Sie den Begriff  “ermordet“


.(SPIEGEL 31/2014, Leitartikel)

Der Verfasser dieses SPIEGEL-Leitartikels bleibt zwar ungenannt, allerdings darf man annehmen, dass der nicht von einem x-beliebigen Redaktionspraktikanten stammt, sondern mindestens von einem Redakteur. Einem Leitartikel-Verfasser in einem der bedeutendsten deutschsprachigen Leitmedien sollte freilich der landläufige Unter­schied zwischen einem »Mord«, d.i. einem vorsätzlichen Verbrechen, und einem ver­mutlichen »tragischen Versehen« geläufig sein. Sollte man meinen.
Ob hinter der Verwendung des im Konnex bedeutungsfalschen Terminus »Mord« be­absichtigte Polemik oder bloß fahrlässiges »Versehen« steckt, lässt sich für den Leser nur schwer erraten.

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
In derselben Ausgabe übrigens, in einem Artikel über antisemitische Ausschreitungen in Deutschland, steht der Satz:
(SPIEGEL 31/2014)
.
»In Österreich werden israelische Fußballmannschaften attackiert«, erfährt der Leser hier aus dem SPIEGEL. (Tatsächlich wurde eine israelische Fußballmannschaft von einer Gruppe radikalisierter Türken attackiert. Dass die Attacke zufällig in Österreich stattfand, spielte dabei keine Rolle.)
Gewiss wurde dieser saudumme Satz von den SPIEGEL-Autoren nicht aus böswilligem Kalkül, sondern lediglich purer Gedankenlosigkeit so formuliert. Gleichwohl ärgerlich ist beides.

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Was so manchem Introtext-Aushecker beim Aushecken so manchen Introtextes durch den Kopf gehen mag, ist unklar. Vermutlich die Zugluft.

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