Versifiziertes

Bauernkalender: Kalenderblatt für Pfingsten

Bauernkalender: Kalenderblatt für Mai

21. März – Welttag der Poesie

Das Reimen macht, wir wissen das,
manch einem einen Riesenspaß.
Kollege Busch lobt dies Pläsier
mit einem Vers, man liest ihn hier:
.
»Wie wohl ist dem, der dann und wann
sich etwas Schönes dichten kann.«

15. Februar

Heute vor 454 Jahren erblickte in Pisa der große Universalgelehrte Galileo Galilei das Licht der Welt, eppur si muove.
Noch’n Gedicht, von Kollege KrassNick:
.
Die Leute fragten einst in Pisa
Herrn Galilei, was denn dieser
über’s Universum und
den ganzen Rest so alles kund
tun könne? Aber dieser rief
bloß: »Leute, euer Turm steht schief.«
© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

10. Februar – Alliteratives: Lyrik vs. Logik

»Wenn ich gegen eins was habe, sind’s Fehler, nur dem Reim zulabe!«
(Winfried Kraft) (vermutlich Pseudonym v. Robert Gernhardt)

Heute vor 120 Jahren wurde Bertolt Brecht (1898-1956) geboren, und zwar in Augsburg. (Die rote Socke, tat­sächlich war der ein waschechter Schwabe, was sagt man dazu. Brecht selber mochte seine Ge­burts­stadt allerdings nicht, er sagte: »Das beste an Augsburg ist der Zug nach Mün­chen.« Er blieb nicht lang in Augsburg, wie man weiß.)

In dem Lied »Der Tod im Wald« lässt Brecht den grimmigen Poeten Baal alliterieren:
    »Und ein Mann | starb im Wald, | wo Sturm und Strom ihn umbrausten ..«
    .
    (Anm.: »Selber schuld, | wär’ er halt | bei so ’n Sauwetter nicht draußten ..«
    ließe sich dazu extemporieren ;)
Gegen Stabreime gibts im Prinzip nichts einzuwenden, es sei denn, Lyrik dräut Logik dreist zu verdrängen. Dichterkollege KrassNick lässt nun einen fiktiven Leser beim Autor der be­tref­fen­den Zeile, Herrn Brecht also, um nähere Erläuterung nachsuchen, und kleidet dessen An­frage hinwiederum in gefälligen Versreim – er schreibt:
    Hier ätzt der Leser: »Sie, Herr Brecht,
    als Stabreim klingt der ja nicht schlecht,
    Ihr Vers vom Sturm und Strom im Wald.
    Nur fragt an dieser Stelle halt
    der Leser sich: Wo, bitte sehr,
    kommt denn im Wald der Strom daher?«
    Herr Brecht, der denkt nicht lange nach
    und antwortet dem Leser: »Ach,
    der Strom? Der kommt auf alle Fälle
    aus Batterien von Duracelle!«
    ____________________
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig.
Auch in seinem Gedicht »Die Vögel warten im Winter vor dem Fenster« lässt Brecht die Logik ver­missen, indem er vorn auf Korn reimt und, was er in einer Lyrikkritik üb­ri­gens sel­ber mo­nier­te, »damit seinen Wirklichkeitsbezug ne­giert«:
    »Ich bin die Amsel.
    Kinder, ich bin am Ende.
    Und ich war es, die den ganzen Sommer lang
    Früh im Dämmergrau in Nachbars Garten sang.
    Bitte um eine kleine Spende.
    Amsel, komm nach vorn.
    Amsel, hier ist dein Korn.«
Darüber ließe sich wiederum extemporieren:
    Was soll ich, fragt die Amsel nun,
    denn mit dem Korn? Ich bin kein Huhn!
    ─────────────────────────
    (Es fragt der Leser hier zu Recht:
    »Meinten Sie wirklich Korn, Herr Brecht?«
    Weil Amseln, wie man weiß, indessen
    nicht Körner, sondern Würmer fressen.)

Sexistisches

Ein angeblich sexistisches Gedicht soll nach dem Willen von Kritikern von einer Hochschul­wand entfernt werden:

Alleen und Blumen
Blumen und Frauen
Alleen und Frauen
Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer

Kritiker Reich-Ranicki: »Es ist ein ekelhaftes Gedicht. [..] Ich sehe keine Reime. Gut, Reime müs­sen nicht sein.« – Ach nein, der meint gar nicht das Hochschulwand-Gedicht, der meint ein anderes.
.
Die Kritik an dem Alleen-und-Blumen-Gedicht stammt indessen vom Allgemeinen Studieren­den­aus­schuss der betreffenden Hochschule, und geht so:
.
»Ein Mann, der auf die Straßen schaut und Blumen und Frauen bewundert. Dieses Gedicht re­produziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, [..] es erinnert zudem un­an­ge­nehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind.«
.
Darauf muss man erstmal kommen. Schau mer mal, ob sich die nämliche Kritik auch auf so manch andere dichterische Hervorbringung münzen lässt, z.B. auf:
.
Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, / Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?
.
»Ein alter Sack, der auf der Straße ein fremdes Fräulein anbaggert. Diese Szene re­pro­du­ziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, es erinnert zudem [und­so­wei­ter blabla ..]«
.
Sexistisches Machwerk sowas, sollte unverzüglich aus dem deutschen Literaturkanon ent­fernt wer­den und sein Urheber der Ächtung anheimfallen.

6. Jänner – Bauernkalender zum Dreikönigstag


31. Dezember – Bauernkalender zum Silvestertag


26. Dezember – Bauernkalender zum Stefanitag

13. Dezember – Das Paulus-Projekt

Heute vor 80 Jahren wurde der große Lyriker, Schriftsteller, Zeichner und Humorist Robert Gernhardt (1937-2006) geboren.
.
Über eine seiner populärsten Versdichtungen, die vielfach kolportierten Paulus-Briefe, sagte er in einem SPIEGEL-Interview 1994:
.
»In meiner Jugend hörte ich Zweizeiler wie “Paulus schrieb an die Korinther: Was nicht davor ist, ist dahinter.“ 30 Jahre später dichtete ich “Paulus schrieb an die Apatschen: Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen“ oder “Paulus schrieb den Irokesen: Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen“ [oder “Paulus schrieb an die Komantschen: Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen“]. Weitere 15 Jahre später ließ ein deutscher Studienrat seine Klasse in diesem Sinne weiterdichten, wobei die ebenso schönen wie zeitgemäßen Zeilen entstanden: “Paulus schrieb an die Navajo: Man ißt Oblate nicht mit Majo.“«
.
Mittlerweile folgten auf Gernhardts Paulus-Verse zahllose Weiterdichtungen [vgl. dazu Klapp­horn­vers, oder Pseudo-Kempneriana], unter dem Pseudonym Winfried Kraft etwa reimte ver­mut­lich Robert Gernhardt selbst:
    Paulus schrieb an die Apostel:
    “Ich taufe alle Frauen Chrostel!“
    Doch Petrus schrieb in der Epistel:
    “Das heißt nicht Chrostel, sondern Christel.
    Und wenn ich gegen eins was habe,
    Sind’s Fehler, nur dem Reim zulabe!“
2006 rief die Redaktion von EXOT. Zeitschrift für komische Literatur ihre Leser zu einem »Paulus-Projekt zum höheren Ruhme des Robert Gernhardt« auf und versammelte auf diese Weise rund 2000 neue Paulusbriefe welche auf der Webseite veröffentlicht wurden, mit der Einstellung der Zeitschrift im Dezember 2015 aber leider verloren gingen und nur mehr ver­einzelt wiederzufinden sind (etwa hier, oder hier), z.B.:
    Paulus schrieb an die Ägypter: Keine Partys in der Krypta!
    Paulus schrieb auch an die Finnen: Ab fünf Grad minus – Taufe drinnen!
Weitere Paulusbriefe reimten überdies auch Kollegen krassNICK et al., siehe Ak­ten­ver­merke:

Der Amtsweg ist das Ziel.

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