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Nostalgisches

17. November

Gordon Lightfoot feiert heute Geburtstag, na sowas. In den Achtzigern war er auf dem besten Weg, sich ins Nirvana zu saufen, hab gar nicht gewusst dass der noch am Leben ist. Alkohol konserviert anscheinend wirklich.

war sein größter Hit, Anfang Siebziger. Hört man heute manchmal noch, als Instrumentalversion degradiert zu Kaufhaus-Hintergrundmusik oder auf deutschen Tankstellen-Klos.

Was für eine Schnulze – fast peinlich zugeben zu müssen dass man als junger Spund mal sämtliche Gordon Lightfoot-Platten im Regal hatte. Hab mir seinerzeit sogar extra einen Goldfisch zugelegt um ihn “If You Could Read My Mind“ zu nennen: weil ich fand der Songtitel wär ein so origineller Name für einen Goldfisch, dass es unbedingt einen geben müsse der so heißt.

5. September

Heute vor 64 Jahren kam in Glasgow/Schottland der gleicher- maßen brillante wie notorisch erfolglose Musiker Al Stewart zur Welt, heutzutags kennt den wahrscheinlich keine Sau mehr. Seinerzeit aber, Ende 70er-Jahre, als wir mit einem Schlafsack, einer Zahnbürste und ein paar hundert Schilling in der Tasche über den Landweg quer durch Iran, Afghanistan, Pakistan ins gelobte Land Indien trampten und uns wie die Könige der Welt fühlten, damals hörten wir ständig den Song:


On the Border. Ich werd heut noch sentimental, wenn ich den Song wieder höre – weil er der Soundtrack zu unserm damaligen Lebensgefühl war. Als wir Grenzen noch mit einer Unbefangenheit überschritten, die uns längst abhanden gekommen ist.

Pizza Express

Les ich unlängst im SPIEGEL über den Milliardenpleitier Cevdet C., der die größte Immobilienpleite seit Jürgen Schneider hingelegt hat, und stelle fest dass ich den von früher kenne – hab mit dem Mann seinerzeit mal “gemeinsame Geschäfte“ gemacht ;) Allerdings machte der damals noch nicht in Milliardenspekulanz, sondern zog erstmal eine kleine Callcenter-Klitsche für Pizza-Hauszustellung auf. Wir Zustellfahrer lieferten die Pizzas mit unseren Privatfahrzeugen auf Werkvertragsbasis aus, ich machte das aber nicht mit dem Auto wie die andern Kollegen, sondern mit dem Motorrad – was im Wiener Großstadtverkehr wesentlich effizienter ist, wie man sich denken kann. Bastelte mir hinten aufs Topcase eine Halterung für die Thermobox, und ab geht die Post. (hatte eine 1992er BMW K 1100 RS damals, 16-Ventiler, 120 PS offen, von 0 auf 100 in 3,6 sec., echte Rakete.) So kam ich auf den doppelten Umsatz wie mit dem Auto, in der halben Zeit. Ein Stammkunde fragte mich mal:
“Sag, wie geht das bei dir zu: alle andern brauchen doppelt so lang, bei dir kommt die Pizza brennheiß daher wie grad aus dem Ofen, aber wieso ist der Käs’ und das ganze Zeugs immer nur auf einer Hälfte von der Pizza drauf ?“
Pizza in Kurven-Schräglage.

25. Juni

Carly Simon hat heute Geburtstag, was für eine Lady! Umwerfend. In den 70ern liefen die Mädels mit Carly-Simon-Fotos zum Friseur und wollten sich die gleiche Frisur nachmachen lassen. Und mal abgesehen von der Frisur, wenn man die Lady singen hört – warm ums Herz kann einem da werden:
Was für Mähne. Was für Zähne. Was für Stimme!

14. Februar – Im Telefonmuseum

Heute vor 133 Jahren, am 14. Februar 1876, meldete Herr Alexander Graham Bell beim US-Patentamt seine Erfindung an, den sogenannten Telephonapparat. Seinerzeit wurde Herrn Bells Erfindung keine große Zukunft vorhergesagt: das Telephon werde sich voraussichtlich nicht durchsetzen, da es ohnehin genügend Botenjungen gebe, um Nachrichten zu übermitteln.

Als ich mir unlängst ein neues Handy anschaffte und dem Verkäufer-Jungspund erzählte, dass mein vorletztes Handy noch eine Antenne zum rausziehen hatte, schaute der mich an als käme ich aus dem Kuriositätenkabinett.

Drei Jahre zuvor waren die ersten Menschen auf dem Mond gelandet, aber bis ins Jahr 1972 gehörte Neulengbach im schönen Wienerwald zu den letzten Gemeinden im österreichischen Post- Telefonnetz, die auf den Anschluss an den Selbstwählverkehr warten mussten. Bis dahin hatten wir daheim ein schickes Kurbeltelefon ohne Wählscheibe, wie im Bild (links) – noch Anfang 70er-Jahre, nicht gelogen. Wenn man jemand anrufen wollte, musste man kurbeln, damit sich das Fräulein vom Amt meldete. Der sagte man die Nummer an, mit der man telefonieren wollte, und draufhin stöpselte sie die Verbindung zum gewünschten Teilnehmer durch. Wenn wir als Kinder beim Neulengbacher Postamt vorbeigingen, konnten wir durchs Fenster das Fräulein vom Amt mit ihren Kopfhörern sehen, wie sie da drinnen ambitioniert herumstöpselte. (eine Szene, wie aus einem alten “Lassie“–Schwarzweißfilm ;)
Das letzte österreichische Fräulein vom Amt war übrigens ein Mann, am 14. Dezember 1972 stellte er in Karlstein/Thaya im Waldviertel die letzte Telefon- verbindung durch manuelles Stöpseln her.

Postautobus

»Außen gelb und innen leer, so fahrt der Postbus hin und her.« sagten wir früher.

Zu Stoßzeiten aber fuhr der Postautobus bis etwa Mitte der 70er-Jahre mit Personen-Anhängern, vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch dran. Als Kinder stiegen wir immer im Anhänger ein, weil uns dort der Chauffeur nicht zurechtweisen konnte, wenn wir Krawall machten.
Neben der Personenbeförderung fungierte der Postbus damals auch als quasi “rollendes Postamt“: neben der Einstiegstür gab es einen Briefeinwurf (an manchen Bussen auch Briefmarken-Automaten), Paketsendungen konnte man direkt beim Postbus-Chauffeur aufgeben. Der Empfänger, den man vorher verständigte, brauchte bloß zur fahrplanmäßigen Ankunftszeit an der vereinbarten Haltestelle zu warten und kriegte das Paket dort ausgefolgt. Postservice bei der Post – das waren noch Zeiten.

20. September

Sophia Loren feiert heute Geburtstag, in alter Frische. 1959 spielte sie unter der Regie von “Casablanca“–Regisseur Michael Curtiz die Titelrolle in dem Kostümschinken “Prinzessin Olympia“. Neben Sophia Loren und Maurice Chevalier spielt darin ein Oldtimer Marke Laurin & Klément Baujahr 1906 eine tragende Rolle, und der Chauffeur dieses Oldtimers war mein Schwiegervater.
Das kam so:  die Besitzerin, eine über achtzigjährige Dame, hatte den Oldtimer seinerzeit von ihrem Vater geerbt und jahrzehntelang in einer Wiener Garage eingemottet, als er 1959 von der Requisitenabteilung von Carlo Pontis (Sophia Lorens Ehemann) Film-Produktionsfirma aufgestöbert und für die Dreharbeiten angemietet wurde. Kein Mensch hatte eine Ahnung, wie das alte Stück in Betrieb zu setzen war, die Filmleute wandten sich an den ÖAMTC (österr. Pendant zum ADAC) um Rat. Und mein Schwiegervater, damals junger Pannenfahrer beim Automobil-Club, wurde für die Sache abkommandiert, er besorgte sich technische Unterlagen, machte sich schlau und begann an dem verstaubten Ding in der Garage herumzufrickeln: nach einer Woche sprang er an und lief wie am Schnürchen. Er wurde auf einem Lkw in die Cinecittá-Filmstudios verfrachtet, mein Schwiegervater kriegte einen Vertrag von der Produktionsfirma und ein Flugticket nach Bella Roma.
Bei den Dreharbeiten fuhr er den Laurin & Klément souverän, schaut im Film recht schnittig aus. Regisseur Curtiz war zufrieden und klopfte ihm auf die Schulter. In den Drehpausen saß er neben den großen Filmstars. Sophia Loren sei sehr nett gewesen und habe ihm natürlich gefallen, erzählt er, aber: “Ich bin ja nicht deppert, und fang mir was mit der Frau vom Chef an.“

Trick 17

Als Kinder waren mein kleiner Bruder und ich mal im Schönbrunner Tiergarten, wir hatten Streit gehabt und waren bös aufeinander.
Wie wir so vor dem Affenkäfig stehen, sag ich bitterböse zu meinem Bruder:
“Der Affe da drin schaut dir ähnlich, der schaut aus wie dein Bruder!“
Unverzüglich widersprach mein Bruder:
“Gar nicht wahr, der schaut aus wie dein Bruder!“

Modern Times

Mittlerweile gibts ja Internetz und solche Sachen, aber so lang ist das gar nicht her, da war so ein Faxgerät noch was modernes. Freund von mir, Postler in Neulengbach, hat mir vor Jahren die Geschichte von der Oma und dem Fax erzählt, ich weiß nicht ob sie wahr ist oder erfunden:
da kommt also damals die Oma aufs Neulengbacher Postamt und will einen Expressbrief aufgeben, Glückwunschbrief für ihren Enkel in Tirol, weil der heut Geburtstag hat. Leider ist sie bissel spät dran mit ihrem Brief, weil sie’s vergessen hat: ob sich das ausgeht dass der den heute noch kriegt? Nein, sagt mein Freund der Postler, heut geht das nimmer, aber er schaut im Verzeichnis nach ob die Verwandten in Tirol eventuell einen Faxanschluss haben, dann könnt’ man den Brief faxen und der Enkel kriegt ihn gleich. Tatsächlich: Faxnummer-Eintrag gibts. Die Oma nimmt also den Brief aus dem Kuvert, der Postler lässt ihn durchs Fax rattern, die Oma ist happy. Und jetzt zieht sie aus dem Kuvert noch einen Hundert-Schilling-Schein hervor, beiliegend als Geburtstagsgeld, das soll er dem Enkel auch nach Tirol schicken. Freund Postler macht sich eine Gaudi und steckt den Hunderter ebenfalls ins Faxgerät, der rattert durch und auf der anderen Seite wieder raus, wie zu erwarten. Da schau her!, sagt er, der will das Geld nicht annehmen, er hat’s wieder retour geschickt. Ah geh! sagt die Oma und ist ganz gerührt, der Bub ist ja so bescheiden! Aber jetzt stecken Sie’s gleich noch einmal rein und schicken S’ ihm ein zweitesmal, er darf’s ruhig behalten!

Heute vor 37 Jahren,

am 28. Oktober 1970 endete das über Gruppenverbleib oder Abstieg entscheidende Fußballmatch zwischen den beiden niederösterreichischen Unterliga-Vereinen SV Neulengbach vs. ASK Kottingbrunn beim Spielstand von 3 : 0 für die Gastgeber durch vorzeitigen Abbruch wegen Handgreiflichkeiten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren zwei der drei Treffer vom Schiedsrichter, der dritte von einem der beiden Linienrichter erzielt worden. (Bestechungsvorwürfe wurden erhoben, konnten aber nie stichhaltig nachgewiesen werden. Jedenfalls wurden die beiden Torschützen im schwarzen Dress von den ergrimmten Kottingbrunnern und ihren einige zwei Dutzend angereisten Tifosi krankenhausreif verprügelt, sowie gelegenheitshalber auch der zweite Linienrichter. Obwohl der bis dahin noch gar kein Tor geschossen hatte.)

[mehr Fußball-Geschichten bei Kollege »M. über Fussball«]

Der Amtsweg ist das Ziel.

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Etosha (Gast) - Do, 19:00
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textorama - Do, 17:08
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