Nostalgisches

Storia d’amore finita

.. aus der Reihe: »Dinge die man einmal besaß, um die einem heute nimmer leid ist« *)
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Vor einigen drei Jahrzehnten besaß ich mal eine 1985er GILERA 250 NGR. Der Rotax Eintopf-Zwei­tak­ter brach­te aus lediglich einem Vier­tel­liter Hubraum immerhin 35 PS hervor, was ihr bei kaum 140 Kilo Trock­en­gewicht eine äußerst beeindruckende Be­schleu­ni­gung ver­schaffte: die zisch­te ab wie eine Ra­kete.
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Nach zwei Saisonen aber wars mit meiner Liebe zu der temperamentvollen Italienerin vor­bei: extravaganterweise war die Drehschieberplatte zur Einlassventilsteuerung (ein sensibler Teil, häufig aus hochfestem Material wie Keramik oder Carbon) an der 250er-Gilera aus Alu­mi­nium, so batzweich wie Pasta al dente. Nachdem ich den Drehschieber binnen Zwei­jah­res­frist dreimal austauschen und zuletzt dafür gar bis Udine fahren muss­te, weil der Er­satz­teil in Österreich nimmer zu kriegen war, trennte ich mich von meiner ita­li­e­ni­schen Zwei­takt-Pri­ma­donna wieder, indem ich sie einem Bekannten verscherbelte den ich nicht be­son­ders gut lei­den konnte. Sollte der sich weiterhin mit ihren Allüren abfretten, ciao bella.
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*) (weil hieramts letzthin grad von »Zwiebackfräsen« die Rede war:)

7. September

Newark in New Jersey ist die Stadt in den USA, welche im Verhältnis zur Einwohner­zahl die meisten weltbekannten Künstler hervorgebracht hat.

Gloria Gaynor hat heute Geburtstag, die Queen des Disco-Sounds in den 1970ern. Auch sie stammt aus Newark. Wer damals in der Disco war, der hat den Klassiker von 1975 heute be­stimmt noch im Ohr:

12. August – Der Neulengbacher Bahnhofsstreit

Heute vor 157 Jahren wurde die Eisenbahnstrecke von Wien nach Salzburg/Reichs­grenze fei­er­lich dem Verkehr übergeben.

Proteste und Lobby-Interessen für & wider einen Bahnhofsbau gab es schon lange vor Stutt­gart 21, in Neulengbach an der Westbahn etwa schon seinerzeit unterm Kaiser.

Warum beim Bau der Westbahn durch die k.k. privilegierte Kaiserin-Elisabeth-Eisen­bahn­ge­sellschaft der Neulengbacher Bahnhof nicht in Neulengbach errichtet wurde, obwohl die Strecke direkt durch den Ort führt, sondern weit außerhalb auf einem Acker mitten in der Pampa, lässt sich heute nimmer feststellen. Am 12. August Anno 1860 wurde die Strecke Wien–Salzburg er­öff­net, und fast ein Vierteljahrhundert lang rauschten die Züge durch Neu­leng­bach hin­durch und blieben erst kilometerweit dahinter stehen. Und ebenso lang pilgerten die Neu­leng­bacher Honoratioren nach Wien zum Kaiser und antichambrierten zugunsten der nachträglichen Errichtung einer Haltestelle im Ortszentrum, und die Interessenvertretung der Neulengbacher Lohnfuhrwerker tat desgleichen, um dies zu verhindern: dass der Bahnhof so weit außerhalb lag, machte den erforderlichen Shuttle-Verkehr für die Fuhrwerkerlobby zu einem höchlichst einträglichen Geschäft. Anno 1882 wurde schließlich eine Haltestelle Neu­leng­bach-Markt im Ortszentrum errichtet, nachdem es bis dahin zu eifrigen Ausein­an­der­set­zun­gen und Zer­würf­nis­sen zwischen den Inter­essenparteien gekommen war.
Wasserwerfer kamen dazumals noch keine zum Einsatz, die wurden erst später erfunden.

Ghost Rider

Heute vor etlichen Jahrzehnten, am 3. Dezember Anno Neunzehnhundertschnee, fand in Neu­lengbach im schönen Wienerwald die Führerscheinprüfung statt, und nachtsüber hatte es einen Viertelmeter hoch geschneit. Also kriegten wir Prüflinge jeder eine Schneeschaufel in die Hand gedrückt und brachten den halben Vormittag damit zu, die Zufahrt zur Fahr­schul­ga­ra­ge freizuschaufeln, derweil sich der von der Bezirks­haupt­mann­schaft Sankt Pölten/Land an­ge­reis­te Führerscheinprüfer im Gasthaus Schab­schnei­der neben der Fahrschule bei einem Känn­chen Glühwein aufwärmte.

Das Fahrschulmotorrad war damals eine R68er BMW mit Seitenwa­gen, wie auf diesem Bild: im Fußraum des Seitenwagens waren zu­sätz­li­ches Kupp­lungs- und Fußbremspedal installiert, und darin saß der Fahr­leh­rer Herr Blüml im knöchellangen Ledermantel mit Flie­ger­haube und Sturm­brille (wie Abb. rechts) und assistierte uns hilfreich, als wir mit klammen Fin­gern ohne Finger­spit­zen­ge­fühl für Kupplungs- oder Brems­hebel zwei Run­den um den schneeglatten Kirchenplatz kurvten.

Manche Fahrschüler wohnten weit auswärts in der Neulengbacher Umgegend und wurden von Herrn Fahrlehrer Blüml zur Fahrstunde von daheim abgeholt und hinterher wie­der dort ab­ge­setzt. Bei Schlechtwetter pflegte Herr Blüml das Beiwagenverdeck zuzuklappen und blieb darin sitzen, nachdem er den Fahrschüler daheim absteigen ließ und zuvor noch an­ge­wie­sen hatte, (am Fußhebel links am Motorrad) den zweiten Gang einzuschalten: Kupplung und Fuß­bremse konnte er ja mit seinen Fahrlehrerpedalen betätigen, und zum Lenker mit Gas­dreh­griff brauchte er nur mit der linken Hand beim Seitenfenster rauszugreifen. So ge­schah es nicht sel­ten, wenn er mit röhrendem Motor im zweiten Gang zur Fahrschule heimwärts fuhr, dass sich ent­ge­gen­kom­menden Straßen­ver­kehrs­teil­neh­mern der im Bilde unten dar­ge­stellte An­blick bot – und wenn dann einer bei der Neu­leng­ba­cher Gen­dar­me­rie aufgeregt Mel­dung er­stat­te­te, er habe grad ein fah­rerloses Bei­wa­gen­mo­tor­rad vor­über­brau­sen gesehen auf dem gar kei­ner drauf­saß, dann wusste man dort Bescheid: Ah, der Blüml fahrt grad von der Fahr­stund’ heim.

Fahrlehrer Blüml gibt den Ghost Rider.(Symbolbild)
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(Beitrag zu Kollege Dominiks *.txt-Projekt: »Fingerspitzengefühl«)

Pepihacker

Im Kommentar zu einem Beitrag für sein nostalgisches Erzählprojekt »Die Läden meiner Kind­heit. Ein lite­ra­ri­scher Ausflug in eine ver­sun­ke­ne All­tagskultur« be­merk­te Kollege Trithemius die zuweilen kurios an­mu­ten­den Berufs­be­zeich­nun­gen aus der ost­mit­tel­bai­ri­schen Um­gangs­sprache, eine solche ist auch der Pepihacker:
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Neben dem Branntweiner Ondra in der Neulengbacher Wienerstraße hatte der Ross­fleisch­ha­cker Sturzeis sein Geschäft. Zufällig findet sich bei Kollegin Jou­lu­puk­ki eine Aufnahme zweier solcher Geschäfte in der nämlichen Kon­stel­la­tion:


Branntweiner & Pepihacker, © mit freundl. Genehmigung Kollegin Joulupukki
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In den Nachkriegsjahrzehnten gab es zahlreiche Pferdefleischhacker, in Ostösterreich Pepi­ha­cker genannt. Die Be­zeich­nung kam wahrscheinlich daher, weil aus Schweif und Mähnen der ge­schlach­te­ten Tiere neben Ross­haarmatratzen und Polsterfüllungen auch kostengünstige Pe­rü­cken oder Toupets (österr.: “Pepi“) her­ge­stellt wurden. Be­mer­kens­wert, dass der Pepihacker auch Gigerer genannt wurde – eben­so wie die Pferde, welche ihm zur Verarbeitung zu­ge­führt wurden. Als Gigerer wurde also das zur Schlach­tung bestimmte Tier, gleichzeitig aber auch der Schlachter selber so be­zeich­net.
Beim Rossfleischhacker Sturzeis kauf­ten wir nicht ein, da mein Vater Holzkaufmann war und von den Bau­ern und Wald­ei­gen­tü­mern, die er beruflich besuchte, häufig Schlacht- oder Wild­fleisch heim­brachte. Aber zum Namenstag kriegten wir als Kinder 2 Schilling und durften uns was drum kau­fen, und ich lief damit zum Sturz­eis in die Wienerstraße und kaufte mir statt Naschkram eine Le­ber­käs­sem­mel. Erst wenn Du ein­mal einen heißen, dampfenden Ross­le­ber­käs direkt aus dem Back­ofen vom Pepihacker ge­ges­sen hast, weißt Du was eine De­li­ka­tesse ist.
Heutzutage werden in Österreich jähr­lich nur mehr wenige hundert Pferde ge­schlachtet und das selten gewordene Pferdefleisch, ehe­mals als Arme-Leu­te-Essen geringgeachtet, als Spe­zi­a­li­tät ver­kauft.
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(Kollege KrassNick hat übrigens mal hieramts einen launigen Vers über den Pepi­ha­cker vulgo Gigerer gereimt:)
    Für's Pferd ist's ein für allemal,
    was es zur Lebzeit war, egal:
    Ob Rennpferd, Ackergaul, Fiaker -
    am Ende geht's zum Pepihacker.
    Ob Zirkusross, ob Lippizaner,
    am letzten Weg vorbei kommt kaner:
    Dem Weg, der zu der Stätte führt,
    wo Huftier wird zu Brät faschiert
    und transformiert, man ahnt's indes,
    vom Gigerer zum Leberkäs.
(© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig)

Branntweiner


Ein Beitrag zum Erzählprojekt, welches Kollege Tri­the­mi­us in seinem Teestübchen ausgerufen hat: »Die Läden meiner Kind­heit. Ein lite­ra­ri­scher Ausflug in eine ver­sun­ke­ne All­tagskultur«

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Branntweiner, vulgo Brandineser, gab es ehemals in Wien an jeder zweiten Ecke, heutzutags gibts nur mehr ganz we­nige, die letzten werden bald ausgestorben sein. Die Branntwein­schen­ken nann­ten sich hoch­tra­bend »Tee ū. Likörstube«, die Aus­schank­li­zenz zur Branntweiner-Kon­zes­si­on war ur­sprüng­lich auf (auch selber her­ge­stell­te) Spirituosen beschränkt: offenes Bier & Wein durf­ten nicht aus­ge­schenkt, warme Speisen keine angeboten werden.
Jeder Branntweiner hatte die gleiche Vitrine mit dem gleichen Standardsortiment auf der Budel stehen: ein hundertjähriges hartgekochtes Ei, ein Packerl Manner-Schnitten, eine Dose Sar­dellen­ringerl. Keiner bestellte jemals das harte Ei oder die Sardellenringerl, wahrscheinlich über­nahm es jeder Branntweiner mit der Geschäftsausstattung vom jeweiligen Vorgänger und der letzte nimmts ins Grab mit.
Eine populäre Wiener Branntweinstube führte seinerzeit auch »Der starke Pepi« Steinbach, ehe­mals vielfacher Weltrekordmeister im Gewichtheben.


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Auch in Neulengbach gab es früher einen Branntweiner, den Ondra in der Wie­ner­straße an der Hechtlbrücke. Schräg visàvis lag (und liegt freilich immer noch dort ;) der Neulengbacher Friedhof, und morgens pflegten u.a. der Totengraber und seine Gehilfen in ihren schwarzen Kitteln und Gummistiefeln beim Ondra ein­zu­keh­ren um sich für ihr Tagwerk zu stärken, und mittags und abends wie­der­um um ihr tagsüber einvernahmtes Trinkgeld hin­zu­tra­gen.

Als Kindern wurde uns manchmal, wenn unerwartet Besuch kam, aufgetragen Sodawasser zu holen. Die Erwachsenen spritzten ihren Wein damit, und auch die Kinder kriegten zu solchen Anlässen ihr Himbeerwasser mit Soda, was es für gewöhnlich nur mit Leitungswasser gab. Mit pein­li­cher Achtsamkeit, sie nicht fal­len zu lassen, trugen wir die Si­phonflasche aus Glas (Abb. rechts) über die Hechtl­brücke, um sie drüben beim Ondra gegen eine ge­füll­te ein­zu­tau­schen. (Mitt­ler­weile wurden Häuser samt Ge­schäfts­lo­ka­len dort pla­niert und eine breite Schneise für die Durchzugsstraße quer durch den Orts­kern ge­schla­gen, wo der Haupt­ver­kehr un­ab­läs­sig vor­über­bret­tert – heute fiele es wohl kei­nen Eltern mehr ein, kleine Knirpse mut­ter­see­len­allein los­zu­schi­cken und sie un­be­gleitet über­que­ren zu lassen.)
Das Pfand für die Sodawasserflasche kostete 2 Schilling, der Aufpreis für eine gefüllte 50 Gro­schen: die Leerflasche war somit wesentlich kostbarer als der Inhalt, daher unsere gebotene Vor­sicht beim hin- und heimtragen.
Die teils recht illustren Typen, welche beim Branntweiner Ondra als Stammpublikum ver­kehr­ten, stellten für uns Kinder stets ein Faszinosum dar, und öfters spendierte uns einer von de­nen in schnapsseliger Spenderlaune eine der hundertjährigen, unter der Stanniolfolie längst weiß­lich angelaufenen kleinen Bensdorp-Scho­ko­la­den, welche in der mit Lurchfilz (© Kol­le­gin Etosha) patinierten Vitrine auf der Schank­bu­del auslagen.

Milchgreißler und Fischhandler in Neulengbach, 60er-Jahre

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Kollege Trithemius ruft in seinem Teestübchen zu einem Er­zähl­projekt auf: »Die Läden meiner Kind­heit. Ein lite­ra­ri­scher Ausflug in eine versun­ke­ne All­tagskultur«.

Da man auch hieramts gern der sentimentalen Nos­tal­gie an­heim­zu­hängen pflegt, ein Beitrag dazu:

Als Kinder wurden wir in den Sechzigerjahren von der Mutter zum Milchholen geschickt: mit den abgezählten Schilling und Groschen in der einen und der Milchkanne, welche es dazumals in jedem Haushalt eine gab (Abb. rechts), in der andern Kinderhand stiefelten wir los, um sie auf­fül­len zu lassen.
Milchgreißlerei und Fischhandlung in Neulengbach teilten sich, in ku­ri­o­ser Al­li­anz, ein ge­mein­sa­mes Geschäftslokal in der Wienerstraße: eine La­den­hälf­te war der Milch­ver­kauf, und gegen­über stand hinter seiner Budel der Fisch­hand­ler Herr Roth­wangl, der eine Gum­mi­schür­ze um­ge­bunden hatte und ein Kopftuch wie ein Pirat. Auf­grund der di­ver­gen­ten Feil­ge­bo­te innerhalb näm­li­cher Ge­schäfts­lo­ka­li­tät war diese von einer ein­zig­ar­ti­gen Ge­ruchs­misch­ku­lanz, so­zu­sa­gen einem ol­fak­to­ri­schen Cuvée, durch­weht.
Der Milchgreißler hieß Herr Böswarth und war, unserer kindlichen Einschätzung gemäß, min­destens hundert Jahre alt, er trug stets einen kakaobraunen Arbeitskittel und als Kopf­be­de­ckung einen abgetragenen, oben zu einem Dutt verknotenen Nylon-Damenstrumpf, welchen ge­wiss seine verblichene Frau ihm hinterlassen hatte. Wozu er die extravagante Strumpfhaube auf­hatte, ahnten wir Kinder freilich nicht: vermutlich diente sie als hygienische Maß­nah­me, damit wäh­rend seiner Ab­füll­ma­ni­pu­la­ti­onen kein un­ver­se­hens herabfallendes Kopf­haar in die zu ver­kaufende Milch geriet.
Milchgreißler gibts heutzutags schon lang keine mehr. Wo in den Sechzigerjahren Herrn Bös­warths Milchgreißlerei nebst Herrn Rothwangls Fischhandlung war, befindet sich heute ein Na­gelstudio.

19. Juni

Heute vor 80 Jahren kam Shirley Goodman (1936-2005) zur Welt, in New Orleans. Sie be­gann ihre Karriere als Rhythm & Blues-Sängerin, aber 1975 legte sie mit einer Studioband als Shirley & Company den ersten weltweiten Hit im Disco-Sound auf, und in dem Jahr gab es zwi­schen Nashville und Podersdorf am Neusiedlersee keine Disco und keinen Wurlitzer, wo die Nummer nicht rauf und runter gespielt wurde. Wer damals schon im discofähigen Alter war, erinnert sich bestimmt noch dran:

7. März – Im Telephonmuseum

Heute vor 140 Jahren, am 7. März 1876, erteilte das US-Patentamt Herrn Alexander Graham Bell ein Patent auf seine Erfindung, den sogenannten Telephonapparat. Seinerzeit wurde Herrn Bells Erfindung aller­dings keine große Zukunft vorhergesagt: das Telephon, so las man in der Presse, werde sich in der Allgemeinheit vor­aus­sicht­lich nicht durchsetzen, da es ohne­hin genügend Boten­jungen gebe, um Nach­rich­ten zu übermitteln.

»In den Anfangszeiten der Fernsprechtechnik war es dem Benutzer eines Telefones nicht möglich, eine bestimmte Telefonverbindung zu einem anderen Anschluss selbst auf­zu­bauen. Um eine Verbindung zu bekommen, musste man die Vermittlungskraft im Fern­sprech­amt (umgangssprachlich das „Fräulein vom Amt“) mittels Betätigen eines Kurbel­in­di­ka­tors „wecken“ (dies war tatsächlich der offizielle Ausdruck für diesen Vor­gang). Dem Ver­mitt­lungs­personal teilte man sodann mündlich seinen Verbindungs­wunsch mit, wo­rauf dieses per Handvermittlung die Verbindung aufbaute.«  (Wikipedia)

Am 29. April 1913 aber wurde von der Fa. Siemens & Halske in Spandau der Nummernschalter mit Fingerlochscheibe für den Selbstwählbetrieb zum Patent angemeldet, Abb. rechts: manche junge LeserInnen werden solcherlei antikes Artefakt in natura wahr­schein­lich gar nimmer kennen. Damit begann das Zeitalter der Selbstwähltelefonie..
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Drei Jahre zuvor waren die ersten Astronauten auf dem Mond gelandet, aber bis ins Jahr 1972 gehörte Neulengbach im schönen Wienerwald zu den letzten Sprengeln im österreichischen Post-Telefonnetz, welche auf den Anschluss an den Selbstwählverkehr warten mussten. Bis da­hin hatten wir daheim ein schickes Kur­beltelefon ohne Wählscheibe, wie in Abb. links – noch Anfangs der 70er-Jahre, nicht gelogen. Wenn man jemanden anrufen wollte, musste man zuerst kurbeln, worauf sich das Fräulein vom Amt meldete. Der sagte man sodann die Nummer an, mit der man telefonieren wollte, und draufhin stöpselte sie die Verbindung zum gewünschten Teilnehmer durch. Wenn wir als Kinder beim Neulengbacher Postamt vorbeigingen, konnten wir durchs Fenster das Fräulein vom Amt mit ihren Kopfhörern sehen, wie sie da drinnen emsig am Klappen­schrank herumstöpselte. (Kennen Sie die Szene aus den alten Lassie-Schwarz­weiß­filmen? ;)
Das allerletzte österreichische Fräulein vom Amt war indessen ein Mann, am 14. Dezember Anno 1972 stellte er in Karlstein/Thaya im Waldviertel die letzte Telefon­verbindung durch manu­elles Stöpseln her.



(Als ich mir unlängst ein neues Handy anschaffte und dem Verkäufer-Jungspund er­zählte, dass mein erstes Handy noch eine Antenne zum rausziehen hatte, da schaute der mich an als käme ich geradewegs aus dem Kuriositätenkabinett. Das mit unserem Neulengbacher Kur­bel­telefon aus der Prä-Wählscheiben-Ära hätte der mir bestimmt nicht geglaubt.)

14. Februar – Anno Schnee

Der überaus kalte und anhaltende Winter 1906/07 führte dazumals zu einer besonders er­trag­rei­chen Eisernte, hier liest man darüber:
(Der Wienerwald-Bote, vorm. Neulengbacher Zeitung;
Unabhängiges Wochenblatt für Politik, Land≈ und Forstwirthschaft,
Gewerbe, Kunst und Literatur. Samstag, den 14. Februar 1907)

Das Eis wurde in großen Blöcken aus den vielerorts dafür angelegten Eisteichen gesägt, unter Sagscharten oder Strohdämmung zur Kälteisolierung in Keller­hallen eingelagert und in der warmen Jahreszeit zur Bierkühlung verwendet. In guten Eiskellern konnte sich das Eis oft bis zur folgenden Kältesaison halten. Um die Jahrhundertwende wurde auch mit der in­dus­triellen Eiserzeugung begonnen. Als Kinder sahen wir noch in den 60er-Jahren öfters den Eismann, wenn er Haushalte und Gastwirtschaften mit Blockeis für die Eiskästen belieferte. Häufig wird der Kühl­schrank in der Umgangssprache heute noch Eiskasten genannt. Zahl­reiche Straßen- & Flurnamen erinnern allenthalben an die seinerzeitigen Eisteiche. Auch in Neulengbach gab es einen ehemaligen Eisteich, früher konnten wir dort im Winter Eislaufen, später wurde er trocken­ge­legt und diente als Fußballwiese.

Der Amtsweg ist das Ziel.

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tja. so desolat...
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