Nostalgisches
Mittlerweile gibts ja Internetz und solche Sachen, aber so lang ist das gar nicht her, da war so ein Faxgerät noch was modernes. Freund von mir, Postler in
Neulengbach, hat mir vor Jahren die Geschichte von der Oma und dem Fax erzählt, ich weiß nicht ob sie wahr ist oder erfunden:
da kommt also damals die Oma aufs Neulengbacher Postamt und will einen Expressbrief aufgeben, Glückwunschbrief für ihren Enkel in Tirol, weil der heut Geburtstag hat. Leider ist sie bissel spät dran mit ihrem Brief, weil sie’s vergessen hat: ob sich das ausgeht dass der den heute noch kriegt? Nein, sagt mein Freund der Postler, heut geht das nimmer, aber er schaut im Verzeichnis nach ob die Verwandten in Tirol eventuell einen Faxanschluss haben, dann könnt’ man den Brief faxen und der Enkel kriegt ihn gleich. Tatsächlich: Faxnummer-Eintrag gibts. Die Oma nimmt also den Brief aus dem Kuvert, der Postler lässt ihn durchs Fax rattern, die Oma ist happy. Und jetzt zieht sie aus dem Kuvert noch einen Hundert-Schilling-Schein hervor, beiliegend als Geburtstagsgeld, das soll er dem Enkel auch nach Tirol schicken. Freund Postler macht sich eine Gaudi und steckt den Hunderter ebenfalls ins Faxgerät, der rattert durch und auf der anderen Seite wieder raus, wie zu erwarten. Da schau her!, sagt er, der will das Geld nicht annehmen, er hat’s wieder retour geschickt. Ah geh! sagt die Oma und ist ganz gerührt, der Bub ist ja so bescheiden! Aber jetzt stecken Sie’s gleich noch einmal rein und schicken S’ ihm ein zweitesmal, er darf’s ruhig behalten!
Gordon Lightfoot feiert heute Geburtstag, na sowas. In den Achtzigern war er auf dem besten Weg, sich ins Nirvana zu saufen, hab gar nicht gewusst dass es den noch gibt. Alkohol konserviert anscheinend wirklich. “Lightfoot“ ist übrigens kein Künstlername, der heißt tatsächlich so. Wie seine Eltern.
war sein größter Hit, Anfang Siebziger. Hört man heute manchmal noch, als Instrumentalversion degradiert zu Kaufhaus-Hintergrundmusik oder auf deutschen
Tankstellen-Klos.

Was für eine Schnulze – fast peinlich zugeben zu müssen dass man als junger Spund mal alle Gordon Lightfoot-Platten im Regal hatte. Hab mir seinerzeit sogar extra einen Goldfisch zugelegt um ihn “If You Could Read My Mind“ zu nennen, weil ich fand der Songtitel wär ein so origineller Name für einen Goldfisch, dass es unbedingt einen geben müsse der so hieß.
am 28. Oktober 1970 endete das über Gruppenverbleib oder Abstieg entscheidende Fußballmatch zwischen den beiden niederösterreichischen Unterliga-Vereinen SV
Neulengbach vs. ASK Kottingbrunn beim Spielstand von 3 : 0 für die Gastgeber durch vorzeitigen Abbruch wegen Handgreiflichkeiten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren zwei der drei Treffer vom Schiedsrichter, der dritte von einem der beiden Linienrichter erzielt worden. (Bestechungsvorwürfe wurden erhoben, konnten aber nie stichhaltig nachgewiesen werden. Jedenfalls wurden die beiden Torschützen im schwarzen Dress von den ergrimmten Kottingbrunnern und ihren einige zwei Dutzend angereisten Tifosi krankenhausreif verprügelt, sowie gelegenheitshalber auch der zweite Linienrichter. Obwohl der bis dahin noch gar kein Tor geschossen hatte.)
[mehr Fußball-Geschichten bei Kollege
»M. über Fussball«]
Als Kinder grüßten meine Brüder und ich eine Zeitlang ständig mit “enchanté!“, die Mutter sah es als kindliche Marotte an, die wir irgendwo aufgeschnappt hatten. Tatsächlich hielten wir es aber wirklich für einen Gruß: sie war mal heimgekommen und rief angesichts der Unordnung, die wir unterdessen im Kinderzimmer angerichtet hatten, beim Eintreten zur Begrüßung “Wie’s da wieder ausschaut, he!“, was wir Kinder als vermeintliches Grußwort interpretierten und phonetisch übernahmen – “auschauthe!“.
Heute vor 66 Jahren kam in Brooklyn/New York Harry Nilsson (1941-1994) zur Welt, leider starb er früh. Lennon & McCartney bezeichneten ihn als besten amerikanischen Songschreiber überhaupt.
“Midnight Cowboy“ (dt. “Asphalt Cowboy“), mehrfach oscarprämiert und –nominiert, mit Jon Voight (Vater von Angelina Jolie) in der Titelrolle und Dustin Hoffman als “Razzo Rizzo“, hat vielleicht nicht jeder gesehen, aber den Song aus dem Film kennt bestimmt jeder, ein Klassiker:
(hab den Song ungefähr eine Million mal gehört. Auto Reverse hieß das früher am Cassettenrecorder, hab mir den 20 x hintereinander auf eine Cassette aufgenommen und beim Autofahren ununterbrochen angehört, Endlosschleife immer wieder.)
Tokio Hotel wird sich in vierzig Jahren vermutlich keiner mehr anhören. Den Song schon, wetten?
Als Kinder hatten wir häufig Würmer, wir wuchsen auf dem Land auf, damals war das nix ungewöhnliches. Man entdeckte flagranten Wurmbefall, wenn man aufs Klo musste (Einzelheiten ersparen wir uns), erstattete der Mutter darüber Meldung und wurde zur Apotheke um Entwurmungsmittel geschickt. Wurm-Kugerln hießen die, millimeterkleine picksüße Zuckerdragees, weiße & rote, wir liebten sie heiß. Die schmeckten einfach toll, wir ließen sie auf der Zunge zergehen, aber das Spannende daran war: sie waren mit der Wurmmedizin gefüllt, und die schmeckte grauenhaft bitter, sobald sich die süße Zuckerhülle aufgelöst hatte, der grauslichste Geschmack aller Zeiten. Man kriegte ihn für den Rest des Tages nimmer aus dem Mund. Es war ein echter Thrill: die Wurm-Kugerln so lang wie möglich auf der Zunge zu behalten, um nichts von dem tollen Zuckergeschmack zu verschenken, gleichzeitig den Moment nicht zu verpassen, wo man sie rechtzeitig runterschlucken musste, bevor bitteres Grausen den Kindermund erfüllte. War eine spannende Sache, ein echter Kick für Kids.
.. weigerte sich zeitlebens, so neumodernes Zeugs wie einen Fernseher beim Namen zu nennen. Radio hören hieß für sie “Radio hören“, und fernsehen hieß “Radio schauen“.
(Als Kind ging ich mit meiner Oma oft zur Sonntagsmesse. Die Predigt wurde mir meistens langweilig, ich raunzte: “Wie lang dauert die Predigt noch?“ und die Oma sagte immer: “Die Predigt dauert akkurat so lang, als bis der Pfarrer damit fertig ist.“ Ende der Durchsage.)
War früher mal Rettungsfahrer, selber erlebt, passt auf: Notarzt wird gerufen, Mann hat rasende Schmerzen im Ohr, irgendein Insekt reingeflogen, Frau befürchtet dass er ihr vor Schmerzen überschnappt, wir hin. Als wir eintreffen ist der Mann tatsächlich knapp daran den Verstand zu verlieren, liegt in der Küche und strampelt mit allen Vieren und ballert den Kopf gegen den Fußboden, surreale Szene. (mir ist selber mal ein Käfer ins Ohr geraten, ich kenn die Art Schmerz: wenn dir so ein Tierchen am Trommelfell herumgeistert, man wird halb wahnsinnig. Hab damals auch vor lauter Nimmer-wissen-was-tun mit dem Kopf wo dagegen geballert, dadurch fiel der Käfer raus. Augenblicklich war der Schmerz weg.) Jetzt wir Spezialisten: zwei ausgebildete Sanitäter plus ein Notarzt, akademischer Mediziner, wir knien auf dem Patienten und fixieren seine Arme, Beine, Kopf um ihn ruhigzustellen, Notarzt linst ihm mit einem Okular ins Ohr und diagnostiziert Insektengeflatter darin, klaubt eine Pinzette aus seinem Notarztkoffer hervor und beginnt in dem Ohr herumzupfriemeln um flatterndes Insekt zur Kapitulation zu bewegen, Insekt flattert unverdrossen weiter & Patient tobt umso heftiger, Operation erfolglos.
Neben der Frau in der Küche ein weiterer Zeuge der Szene, der Sohn der beiden, Finger in der Nase, Rotz läuft ihm raus. Irgendwann fragt der Junge: “Warum leeren die dem Papa kein Wasser ins Ohr, damit das Tier ertrinkt.“
Stille. Eine Sekunde. Zwei. Die drei Spezialisten schauen dumm aus der Wäsche. Dann verlangt der Notarzt nach Wasser, kriegts und flößt es dem Patienten ins Ohr. Das wars dann, ausgeflattert – Patient ist von einer Sekunde zur nächsten schmerzbefreit. Das abgesoffene Insekt lässt sich abschließend mühelos mit der Pinzette aus seinem Ohr entfernen.
Der Junge war etwa sieben, acht Jahre alt.
Im
VIERTEN gibts ja immer diese alten Schinken, letzte Woche “Prinzessin Olympia“ von Casablanca-Regisseur Michael Curtiz aus dem Jahr 1960. Neben Sophia Loren und Maurice Chevalier spielt darin ein Oldtimer Marke
Laurin & Klément Baujahr 1906 eine tragende Rolle, und der Chauffeur dieses Oldtimers war mein Schwiegervater. Das kam so: die Besitzerin, eine über achtzigjährige Dame, hatte den Oldtimer von ihrem Vater geerbt und jahrzehntelang in einer Wiener Garage eingemottet, als er 1960 von Carlo Pontis (Sophia Lorens Ehemann) Film-Produktionsfirma aufgestöbert und für die Dreharbeiten angemietet wurde. Kein Mensch hatte eine Ahnung, wie das alte Stück in Betrieb zu setzen war, sie wandten sich an den ÖAMTC (österr. Pendant zum ADAC) um Rat. Und mein Schwiegervater, damals junger Pannenfahrer beim Automobil-Club, wurde für die Sache abkommandiert, er besorgte sich technische Unterlagen, machte sich schlau und begann an dem verstaubten Ding in der Garage herumzufrickeln: nach einer Woche sprang er an und lief wie am Schnürchen. Er wurde auf einem Lkw in die Cinecittá-Filmstudios verfrachtet, mein Schwiegervater kriegte einen Vertrag von der Produktionsfirma und ein Flugticket nach Bella Roma.
Bei den Dreharbeiten fuhr er den Laurin & Klément souverän, schaut im Film recht schnittig aus. Regisseur Curtiz war zufrieden und klopfte ihm auf die Schulter. Bei den Essenspausen saß er neben den großen Filmstars. Sophia Loren sei sehr nett gewesen und habe ihm natürlich gefallen, erzählt er, aber: “Ich bin ja nicht deppert, und fang mir was mit der Frau vom Produzenten an.“
In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts trieb im wilden Westen des Wienerwaldes die berüchtigte Bande der Gebrüder N. vulgo N.–Buam ihr Unwesen. Zur Aufrechterhaltung des Landfriedens wurden die Bandenmitglieder der Reihe nach dingfest gemacht und eingeschult.