Ösitanisches

12. Oktober

Heute vor 115 Jahren, am 12. Oktober 1902, fand das erste offizielle Länderspiel der Fuß­ball­geschichte auf dem europäischen Kontinent statt, welches Österreich gegen Ungarn mit 5 : 0 gewann.
Heutzutage pflegt Österreich für gewöhnlich nimmer so hoch zu gewinnen.


Die siegreiche cisleithanische österreichische Nationalmannschaft von 1902: ganz rechts am Foto der Wiener Johann Studnicka (1883-1967), der an diesem Tag seinen 19. Geburtstag feierte und drei der fünf Tore erzielte. Studnicka war ziemlich klein und stämmig (»der G’stutzte«) und hatte markante O-Beine, aber seine Anhänger erklärten, dass ihm sein Schnei­der bloß krumme Hosen gemacht habe. Er wurde zu einer der herausragendsten Per­sön­lich­keiten der österreichischen Fußballgeschichte und erhielt posthum den zwei­maligen Titel des Welttorjägers.

8. Oktober

Heute vor 89 Jahren kam der große österreichische Stänkerer Helmut Qualtinger (1928-1986) zur Welt. Die unersprießliche Allianz zwischen Beschränktheit und Mit­teilungseifer mancher Zeitgenossen kommentierte er mit dem schönen Satz:
    »Es gibt nix Schenas auf da Wöd
    ois wieran Fetznschedl zuahean wauna grod sei Pappm hoit.«
(Kollege Krassnick hat Herrn Quasis Aperçu in einen hübschen Vierzeiler gefasst:)
    Herr Qualtinger pflegt’ zu erklären:
    »Nichts Schöneres gibt’s auf der Welt
    als einem Schwachkopf zuzuhören
    wenn er gerad’ sein Maulwerk hält.«
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    © mit freundl. Genehmigung M.Krassnig.
Qualtinger war extremer Trinker. Als er einmal in seinem Stammcafé Alt Wien wie üblich »a Viertel!« bestellte, fragte ein neuer Ober, der ihn noch nicht kannte: »Weiß oder rot?« – und Qualtinger fragte zurück: »Seit wann gibts an roten Schligowitz?«
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(Legendär: Qualtingers Auftritt als “Eskimodichter Kobuk“.).

28. September

Heute vor 70 Jahren wurde Herbert “Ich-sage-es-in-aller-Klarheit“ Haupt geboren, einer der schrägsten Käuze in Lügen­kanzler Schüssels legendärem Witzfigurenkabinett.
Herr Haupt kasperte unter anderem als Witzekanzler & FrauenministerIn durch die öster­rei­chische Bundespolitik, wofür er zweimal das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik um­ge­hängt kriegte. Für seine Verdienste um die Pflege der sinnentleerten Satzver­schach­te­lung wurde in zahllosen österreichischen Ortschaften eine Straße nach ihm be­nannt.

12. September

»Ich kann nur raten, den Gegner ernst zu nehmen,
auch wenn der Torwart eine Pudelmütze trägt.«
(Josef Hickersberger, 2003)
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Heute vor 27 Jahren fand in Landskrona/Schweden das denkwürdige Fußball-Länderspiel zur EM-Qua­li­fi­ka­tion zwischen den Färöer-Schafsinseln und Österreich statt, welches mit dem Er­geb­nis 1:0 für die Färöer endete – entgegen der zuvor von Stürmer Toni Polster auf­ge­stell­ten Pro­gnose eines zu erwartenden 10:0-Sieges für Österreich. Draufhin trat der öster­rei­chi­sche Nationaltrainer Josef Hi­ckers­berger zurück und verschwand in der Ver­sen­kung, aus der er indessen 15 Jahre später wie­derum hervortauchte: nämlich als – trara! – neuer öster­rei­chi­scher Nationaltrainer *).
Schuld an dem desaströsen Ergebnis war die weiße Pudelmütze des färöischen Torwarts, wel­che die österreichischen Spitzenstürmer gemäß deren übereinstimmender Aussage so massiv irri­tier­te, dass es ihnen nicht gelang ein Tor zu schießen.
Jene legendäre weiße Pudelmütze des Torwarts der schafsinsulanischen Amateurmannschaft, Jens Martin Knudsen (im Zivilberuf Gabelstaplerfahrer einer Fischfabrik), hatte des­sen Mut­ter gestrickt und wird seither im Nationalmuseum in Runavik als Staatsreliquie auf­be­wahrt. Pudel­müt­zen­träger Knudsen wird noch heute auf den Färöern als Nationalheld ver­ehrt.
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*) (In seiner zweiten Ägide als österreichischer Teamchef beschwerte sich Hickersberger vor dem Länderspiel Trinidad & Tobago gegen Österreich: »Das ist ja unfair: zwei gegen einen.«)

22. August – Die Eroberung Venedigs

Heute vor 168 Jahren, am 22. August 1849, wurde die Republik Venedig nach achtwöchiger Seeblockade durch die k.u.k. Kriegsmarine von den Österreichern erobert.
Mittlerweile brauchen sich die Venezianer vor der ösitanischen Kriegsmarine nimmer fürch­ten, und können beruhigt sein.

9. März

Heute vor 158 Jahren wurde Peter Altenberg (1859-1919) geboren, legendäres Parade­ex­em­p­lar des typischen Wiener Kaffeehausliteraten und Schnorrers.
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Altenberg verbrachte den größten Teil seines Lebens im Kaffeehaus, und wenn er einmal nicht im Kaffee­haus war, so hieß es, dann sei er grad auf dem Weg dorthin. Auf seiner Visitenkarte gab er als Adresse das Café Cen­tral an, auch seine Post ließ er sich dort hinschicken.
Schon sein Lehrer nannte den späteren Meister der lite­rarischen Skizze & fragmentarischen Kurzprosa ein »Genie ohne Fähigkeiten« – wie behauptet, sei er bei der Matura deswegen durchgefallen, weil er als Aufsatz über das Thema »Der Einfluss der Neuen Welt (Amerika) auf die Alte« nur ein einziges Wort hingeschrieben hatte: »Kartoffeln.«
Altenberg trat zeitlebens als vorgeblich mittelloser Schnor­rer auf, der sich von Kollegen und Gönnern finanziell aushalten ließ. (Um seine Mittellosigkeit zu illustrieren, lief er grundsätzlich in Holzsandalen ohne Socken herum, selbst wenn er als Theaterkriti­ker Vor­stellungen besuchte.) Einmal schrieb er an seinen Bruder ein Telegramm: »Bitte schicke mir 100 Kronen, habe mein ganzes Geld zur Sparkassa getragen und starre nun dem Hungertod entgegen.« Oder, als er seinen Freund Karl Kraus einmal um 10 Kronen an­schnorrte, dieser aber bedauerte nicht so­viel da­bei­zu­haben, da bot ihm Altenberg an: »Ich borg’s dir inzwischen, damit du mirs schnorren kannst.«
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Als nach Altenbergs Tod sein Testament bekannt wurde, stellte sich zum nicht gerin­gen Erstaunen heraus, dass der angeblich zeitlebens Mittellose auf diese Weise ein durchaus statt­liches Vermögen von über 100.000 Kronen auf der Sparkassa angehäuft hatte. Dieses hinterließ er zur Gänze wohltätigen Einrichtungen.

Heute lacht ÖSTERREICH

Freilich darf man den sog. »typisch österreichischen« Humor nicht mit dem typisch ÖSTER­REI­CHischen »Humor« verwechseln, und Österreich nicht mit ÖSTER­REICHs auf­la­gen­zweit­stärk­stem Verschenkwitzblatt, welches auf der Titelseite verkündet:
STERREICH)
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Schau mer halt, was diese Verschenkblatt-Flachgeister als »die besten Witze« kolportieren, über die »Österreich heute lacht«, z.B.:

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Über die Frage, wenn der einer der besten Witze vom Villacher Fasching sein soll, ob man dann die übrigen auch unbedingt kennen muss, ließen sich eventuell weiterführende hu­mor­kri­tisch-philosophische Betrachtungen anstellen, muss aber nicht sein.
(Selber kapier ich den Witz allerdings nicht: was ist die Pointe? Handelt sichs bei »nur nur« etwa um eine Ein­deut­schung der Villacher Faschingsparole »lei lei«? Oder falls nicht, worum sonst? Falls mir jemand den Witz erklären kann, danke.) (Muss aber auch nicht sein.)

25. Februar

Heute vor 870 Jahren fand die Bezeichnung Austria für Österreich erstmals ur­kund­liche Erwähnung, und seit damals wird Österreich ständig mit Australien ver­wechselt.
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Austria = von altgerm. *austar, das bedeutet »Gegend im Osten, wo die Sonne aufgeht« *). Ex oriente lux.
(Von *austar leitet sich über althochdt. *ôstar- überdies auch der ältere Name Ostarrîchi für Österreich her. Andere Quellen behaupten hingegen, er stamme von ital. osteria ab, das be­deutet »Land, reich an Wirtshäusern«.)
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*) (Mittlerweile geht die Sonne nimmer in Österreich auf, weil die seinerzeit in Kärnten vom Himmel gefallen ist, wie in den Urkunden erwähnt ist. Deswegen ist es dort auch wärmer.)

29. November

Heute vor 125 Jahren erblickte der seinerzeitige österreichische Bundeskanzler (1953-1961) Julius Raab das Licht St. Pöltens. Raabs Volkstümlichkeit und Bodenständigkeit war legendär: täglich zur Mittagszeit sah man ihn zum Greißler ums Eck spazieren, um eine Knackwurst zu erwerben, welche er anschließend an seinem Schreibtisch im Kanzleramt zu verzehren pflegte. (Eine sogenannte »Beamtenforelle«. Heißt so, weil sie dem traditionell miserabel besoldeten österr. Beamten als ver­gleichsweise preiswerter Ersatz für den teuren Fisch diente, welchen er sich von seinem kargen Salär selten leisten konnte. Unlautere Fleischer pflegten das Brät zur Herstellung ihrer Knackwürste über Gebühr mit billigem Getreidemehl zu strecken.) Als Erz- Schwarzer – die ÖVP stand in enger Allianz mit der katholischen Kirche, von Säkularität war dazumals noch keine Rede – darauf angesprochen, ob es nicht unstatthaft sei auch frei­tags am kirchlichen Fasttag eine Wurst zu essen, rechtfertigte sich Raab:
»Knackwurst gilt nicht als Wurst, die gilt als Mehlspeis’.«
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Historisches Fotodokument: Julius Raab verzehrt eine Knackwurst..

18. Oktober: »Männer, die auf Krädern grüßen«

Der ÖAMTC ist als Nachfolgeverein des Oesterreichischen Automobil-Clubs einer der ältesten und heute mit beinah zwei Millionen Mitgliedern der siebentgrößte Auto­mobilclub der Welt.

Heute vor 62 Jahren, am 18. Oktober 1954, er­folgte die erstmalige Ausfahrt der ÖAMTC-Pan­nen­hilfefahrer, auf Mo­tor­rad-Bei­wa­gengespannen worin sie ihr Werkzeug mit sich führten.

Auslösend für die Idee zur Gründung eines mo­to­ri­sier­ten Pan­nen­diens­tes war damals ein Fischhändler, der seine Ware im Bei­wagen eines alten Krads auslieferte und an einem heißen Sommertag, um Hilfe an­su­chend, zu Fuß zur Club­werk­statt kam. Sein Motorrad hatte unterwegs ge­streikt und der Fisch­transport drohte in der Hitze zu ver­der­ben. Also machte sich ein Clubmechaniker mit seinem Pri­vat­auto­mo­bil auf den Weg, und es gelang das liegengebliebene Mo­tor­rad des Fisch­händ­lers wieder flott­zu­machen.

Zu den ersten Pannendienstfahrern, die wegen ihres »fliegenden« Re­pa­ra­tur­diens­tes so­wie der gelben Lackierung ihrer Fahrzeuge bald »Gelbe Engel« genannt wurden, gehörte da­zu­mals auch mein Schwiegervater, der beim ÖAMTC eine Lehre zum Auto­mo­bil-Me­cha­ni­ker ge­macht hatte. Einmal führte ihn sein Beruf zu einem Gastspiel in der Film­branche.

Die ÖAMTC-Pannenfahrer patrouillier­ten anfangs auf fixen Routen auf den meist­be­fahrenen Bun­des­straßen hin & her (damals gab es in Österreich noch keine Autobahn) und hielten Aus­schau nach Automobilisten, die zufällig irgendwo mit einer Panne liegengeblieben waren. War kein solcher anzutreffen, stell­ten sie sich irgendwo entlang der Strecke in gut sichtbarer War­te­po­si­tion auf und warteten darauf, ob nicht zufällig einer vorbeikam, der ihnen mit­teil­te dass er zu­fällig einen an­ge­troffen hätte, der irgendwo mit einer Panne liegengeblieben war.
Weiters hatten die Pannenfahrer die strikte Order, jeden, wiederhole: jeden vorüberfah­ren­den Autofahrer durch Salutieren zu grüßen, wie es mein Schwiegervater hier auf dem Foto de­mon­striert.
Freilich fuhren dazumals in einer Stunde grad soviel Autos vorüber wie heute in einer Minute. Man stelle sich vor, einer müsse heutzutags an einer Hauptverkehrsstraße jedem vor­bei­fah­ren­den Autofahrer salutieren – der täte wohl einen gehörigen Krampf im Arm kriegen ;)

Ab 1959 wurden die Beiwagen-Motorräder sukzessive außer Dienst gestellt und durch vier­räd­ri­ge Pannenhilfe-Fahrzeuge ersetzt: Steyr-Puch 500, die le­gen­dä­ren gelben »Renn­sem­meln«. (Mein Schwiegervater nannte sie »Regen­pe­le­ri­ne mit Lenkrad«.)



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