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“Es ist schon alles gesagt worden, aber noch nicht von allen.“

(Karl Valentin)

Ösitanisches

11. Mai

Heute vor 95 Jahren wurde Robert Jungk (1913 -1994) geboren,
der große Zukunftsforscher.
Als Herr Jungk 1992 in den österreichischen Medien als Kandidat der Grünen zur Bundespräsidentschaftswahl vorgestellt wurde, empörte sich ein aufgebrachter Leserbriefschreiber damals in der Tageszeitung Standard allen Ernstes über die Berufsbezeichnung “Futurologe“: unerhört sei das, einen dermaßen ordinären Ausdruck für einen Gynäkologen zu gebrauchen.
Kein Witz.

Rustikales

Wenn sie im Waldviertel zum Knödelmachen statt zwoa Oa nur oa Oa nehmen, dann tun sie Oaschboan.

5. Februar

Heute vor 79 Jahren erblickte in Neufeld an der Leitha der kleine Fredi Sinowatz das Licht des Burgenlandes, ex oriente lux.
Der Name Sinowatz kommt aus dem slawischen und heißt übersetzt “komische Nase“ “komischer Name“. Weil er in der Schule deswegen immer als “Fredi Nasowitz“ verspottet wurde, rächte er sich indem er Unterrichtsminister wurde. Weil er als Unterrichtsminister ständig als “Unterschichtsminister“ verspottet wurde, wurde er Vizekanzler. Dass er als Vizekanzler als “Witzekanzler“ verspottet wurde, kam nicht ganz unerwartet. Als Bundeskanzler wurde er als “Fred Sinnlosschwatz“ verspottet. Dabei sagte er viele gescheite Sachen, sein bekanntester Ausspruch ist:
    “Es ist alles sehr kompliziert.“
Fred Sinowatz ging in die Geschichte ein als der einzige Bundeskanzler der Zweiten Republik, der noch komischer aussah als Wolfgang Schüssel.

Ösilalie

Wiener Halbwüchsige hört man häufig eine Redensart äußern, die hört sich so an:
    “Assoia’ssa–uuo–oahhg.“
und das soll heißen: “Heast Oida, des is ur oag.“
und das heißt auf deutsch: “Das finde ich bemerkenswert.“

Die Chorprobe

(aus der Reihe: Ösitanisch für Außerösische)
    Chorleiter: “Oisdan, oiszaum: “
     1. Sänger: “Weaola?“
    Chorleiter: “Naeole.“
     1. Sänger: “Aeia?“
    Chorleiter: “Nanonaned. Oisdan, olezaum: “
              Chor: “Freu-de, schö-ner Götterfunken! usw.“

Endemisches

Der Raurackl zählt zu den gefährdeten Tierarten, der Verbreitungsraum freilebender Wildpopulationen ist auf ostalpine Rückzugshabitate eingeschränkt. Vereinzelte Restexemplare lassen sich in lokalen (sic) biologischen Nischen (“Herrgottswinkel“) finden, bevorzugt in ostalpinen Wirtshausstuben.
Flagrante Gefährdung des Raurackls entsteht durch Mottenfraß, sowie mutwilligen Bewurf mit Dartpfeilen durch ostalpine Wirtshausstammgäste.

Koffer

Gestern abend, nach einem gemeinsamen Ausgang mit Bekannten aus England beabsichtigen wir in der Wiener U4–Station Karlsplatz in einen Zug unserer Wahl einzusteigen, aber daraus wird nix: der unbarmherzige U-Bahn-Fahrer lässt die Türen tückisch eine handbreit vor unseren Nasen zurasseln und gibt zu verstehen dass er uns Typen in seinem Zug nicht drin haben will, indem er etwas durch den Lautsprecher plärrt, was sich wie
“Sack–Faahrt!“

anhört und vermutlich “Zug fährt (ab)“ oder sowas in der Art bedeuten soll. Unsere englischen Freunde kriegen diese zackig-hantige Durchsage freilich phonetisch als “Suck, fart!“ zu Gehör, und verbleiben, darob not amused, in Erwartung des nächstfolgenden Zuges.

Anglophone U-Bahn-Passagiere sehen sich hier seitens eines ungnädigen Herrn Bediensteten der Wiener Verkehrsbetriebe, dem sie persönlich gar nicht vorgestellt wurden, recht salopp zum Saugen (?) angehalten, und im weiteren als fart, also “Furz“ tituliert, oder wie der Wiener sagt:  “du Koffer!“

26. Oktober

Warum der Österreichische Nationalfeiertag ausgerechnet am 26. Oktober ist und nicht an irgendeinem anderen Datum, ist ein bissel kompliziert, aber das ist in Ösitanien ja nix ungewöhnliches.

(bis 1967 hieß der Nationalfeiertag in Österreich “Tag der Fahne“, was sich irgendwie viel gemütlicher anhörte. Warum er umbenannt wurde, weiß man nimmer genau.)

Zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie war der Nationalfeiertag am 18. August, dem Geburtstag des Kaisers Franz Joseph. In Bad Ischl im Salzkammergut feiern sie den heutzutage noch immer.

Ösitanisch für Außerösische

“klotzen statt kleckern“ heißt auf  ösitanisch übrigens “felbern statt fudeln“.
Falls mal wer fragt.

8. Oktober

Heute vor 79 Jahren kam der große österreichische Stänkerer Helmut Qualtinger (1928-1986) zur Welt, zeitlebens alterierte der sich über die Blödheit seiner Zeitgenossen, insbesondere wenn sie in Allianz mit massiver Mitteilungsfreude einherkam:

“Es gibt nix Schenas auf da Wöd,“ sagte er,
“ois wieran Fetznschedl zuahean wauna grod sei Pappm hoit.“

(Kollege K. hat Herrn Quasis Aperçu in einen hübschen Vierzeiler gefasst:)

Herr Qualtinger pflegt’ zu erklären:
»Nichts Schöneres gibt’s auf der Welt
als einem Schwachkopf zuzuhören
derweilen er sein Maulwerk hält.«

© mit  freundl. Genehmigung  M. Krassnig
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